„Und wissen Sie, Pawel Iwanowitsch,“ sagte Manilow und machte dabei ein freundliches oder vielmehr unangenehm süßliches Gesicht, gleich einer Mixtur, die der allzu gewandte Arzt in der Absicht, dem Patienten einen besonderen Gefallen zu erweisen, mit garzuviel Syrup versetzt hat, „dann spürt man einen ganz besonderen, sozusagen — geistigen Genuß ... Wie zum Beispiel gleich heute, wo mir der Zufall das Glück, ich möchte sagen, das seltene, ungetrübte Glück verschaffte, mich mit Ihnen unterhalten und Ihre angenehme Gesellschaft genießen zu können ...“

„Nein, ich muß doch bitten, was für eine angenehme Gesellschaft? ... Ich bin nur ein unbedeutender Mensch und sonst nichts,“ erwiderte Tschitschikow.

„Ach, Pawel Iwanowitsch! Lassen Sie mich ganz aufrichtig sein! Ich würde mit Freuden die Hälfte meines Vermögens hingeben, um nur einen Teil Ihrer großen Vorzüge zu besitzen!“

„Im Gegenteil, ich hätte vielmehr allen Anlaß, mich zu freuen ...“

Es läßt sich kaum sagen, wie dieser gegenseitige Gefühlserguß der beiden Freunde geendigt hätte, wenn nicht der Diener eingetreten wäre, um zu melden, das Essen sei aufgetragen.

„Darf ich bitten,“ sagte Manilow.

„Sie werden entschuldigen, wenn wir Ihnen nicht mit einem Mittagessen aufwarten können, wie Sie es wohl in den Hauptstädten und in vornehmen Häusern gewohnt sind: bei uns ist’s nur einfach, nach russischer Sitte, nichts wie Kohlsuppe, aber es kommt von Herzen. Bitte seien Sie so freundlich.“

Hierauf stritten sie sich noch eine Weile herum, wer zuerst eintreten solle, bis sich Tschitschikow endlich dazu entschloß und sich seitwärts durch die Tür drückte.

Im Speisezimmer warteten zwei Knaben, Manilows Söhne; sie befanden sich in dem Alter, wo man die Kinder schon am Tische mitessen, aber sie noch auf hohen Stühlen sitzen läßt. Neben ihnen stand der Hauslehrer, der sich höflich lächelnd verbeugte. Die Hausfrau setzte sich vor die Suppenterrine; der Gast mußte zwischen dem Hausherrn und der Hausfrau Platz nehmen, der Diener band den Kindern die Servietten vor.

„Was für reizende Knaben!“ sagte Tschitschikow mit einem Blick auf die Kinder. „Wie alt sind sie?“