„Oh, Sie kennen ihn noch nicht!“ erwiderte Manilow, „er ist ungemein scharfsinnig. Bei dem Jüngeren, Alcid, geht es nicht so schnell, dieser dagegen ... wenn der irgend etwas bemerkt, einen Käfer oder ein Würmchen, da blitzen seine Augen nur so, gleich läuft er hin und merkt sich’s. Ich will ihn die diplomatische Karriere ergreifen lassen. Themistokljus!“ fuhr er fort, indem er sich wieder an den Knaben wandte, „willst du Gesandter werden?“

„Ja“ antwortete Themistokljus, während er an seinem Brot kaute und mit dem Kopfe hin und her wackelte.

Jetzt aber wischte der hinter dem Stuhl stehende Diener dem Gesandten die Nase ab, und das war nötig, sonst wäre ihm ein großer, recht überflüssiger Tropfen in die Suppe gefallen. Das Gespräch wandte sich jetzt den Genüssen des stillen und zurückgezogenen Landlebens zu und wurde nur durch einige Bemerkungen der Hausfrau über das Stadttheater und die Schauspieler unterbrochen. Der Lehrer beobachtete die Sprechenden mit gespannter Aufmerksamkeit, und sowie er bemerkte, daß sie ihre Gesichter zu einem Lächeln verzogen, machte er seinen Mund weit auf und lachte krampfhaft. Wahrscheinlich hatte er ein dankbares Gemüt und wollte sich dem Hausherrn auf diese Weise für die gute Behandlung erkenntlich zeigen. Nur einmal machte er eine ernste Miene und klopfte streng auf den Tisch, wobei er seinen Blick auf die ihm gegenübersitzenden Kinder richtete. Und das hatte seinen guten Grund, denn Themistokljus hatte den Alcid ins Ohr gebissen, welcher die Augen zusammenkniff, den Mund weit öffnete und in ein klägliches Geschrei ausbrechen wollte; da er aber wohl ahnte, daß er dadurch um die süße Speise kommen würde, brachte er den Mund wieder in seine frühere Stellung und begann an seiner Hammelkeule zu nagen, während ihm die Tränen über die Wangen liefen, die nur so vom Fette glänzten.

Die Hausfrau wandte sich mehrmals mit folgenden Worten an Tschitschikow: „Sie essen ja gar nichts, Sie haben sich aber so wenig genommen,“ worauf Tschitschikow regelmäßig versetzte: „Ich danke bestens, ich bin satt. Eine angenehme Unterhaltung schmeckt besser als der schönste Leckerbissen.“ Dann stand man vom Tische auf. Manilow war äußerst zufrieden und wollte seinen Gast eben in den Salon geleiten, indem er ihm die Hand auf den Rücken legte und ihn sanft unterstützte, als Tschitschikow plötzlich mit höchst bedeutungsvoller Miene erklärte, er müsse ihn in einer sehr wichtigen Angelegenheit sprechen.

„Dann möchte ich Sie bitten, mir in mein Zimmer zu folgen,“ versetzte Manilow und führte den Gast in ein kleines Gemach, dessen Fenster auf den bläulich schimmernden Wald hinausging. „Dies ist mein kleiner Winkel,“ sagte Manilow.

„Ein freundliches Stübchen,“ sprach Tschitschikow und ließ seinen Blick durch das Zimmer schweifen. Dieses hatte in der Tat mancherlei Annehmlichkeiten: die Wände waren mit einer undefinierbaren Farbe, halb blau, halb grau angestrichen; das Ameublement bestand aus vier Stühlen, einem Lehnstuhl und dem Tisch, auf dem man das Buch mit dem eingelegten Lesezeichen, das wir schon bei Gelegenheit erwähnt haben, ein paar vollgeschriebene Bogen Papier und vor allem sehr viel Tabak erblickte. Der Tabak war in mancherlei Gestalt vertreten: in Form von Paketen, als Inhalt der Tabaksdose, oder er lag einfach in Häufchen auf dem Tische herum. Auf beiden Fensterbänken sah man auch ein paar Häuflein Pfeifenasche, die sorgfältig in hübschen und regelmäßigen Abständen angeordnet waren. Man hatte den Eindruck, daß diese Beschäftigung dem Hausherrn mitunter zum Zeitvertreib diente.

„Darf ich Sie bitten, in diesem Lehnstuhl Platz zu nehmen,“ sagte Manilow. „Hier sitzen Sie bequemer.“

„Erlauben Sie mir, auf dem Stuhl Platz zu nehmen!“

„Erlauben Sie mir, Ihnen das nicht zu erlauben!“ sagte Manilow lächelnd. „Dieser Lehnstuhl ist nun einmal für den Gast bestimmt. Ob Sie nun wollen oder nicht — Sie müssen drin Platz nehmen!“

Tschitschikow setzte sich.