„Nein, gnädiger Herr, es ist nichts zu sehen!“ und Seliphan schwang seine Peitsche und stimmte etwas wie einen Gesang an. Ein Lied konnte man es nicht nennen, denn es dehnte und zog sich so in die Länge, daß es gar kein Ende nehmen wollte. Seliphan brachte alles darin unter, alle aufmunternden und anspornenden Rufe, mit denen man im weiten Rußland, von einem Ende bis zum andern, die Pferde zu beglücken pflegt, und alle nur möglichen Adjektiva, ohne jede Auswahl, wie sie ihm gerade auf die Zunge kamen. Schließlich ging er sogar so weit, daß er seine Pferde Sekretäre nannte.
Jetzt aber machte Tschitschikow die Entdeckung, daß sein Wagen von einer Seite auf die andre schwankte, wobei der Insasse jedesmal einen kräftigen Stoß erhielt; das brachte ihn auf den Gedanken, daß sie von der Straße abgekommen seien und wahrscheinlich über ein gepflügtes Ackerfeld führen. Auch Seliphan mußte es wohl bemerkt haben, aber er sagte kein Wort.
„Auf was für einem Wege fährst du eigentlich? du Spitzbube!“ schrie Tschitschikow.
„Was ist zu machen, gnädiger Herr, es ist halt schon spät am Abend. Ich sehe nicht einmal meine Peitsche, so finster ist es!“ Bei diesen Worten neigte sich der Wagen so sehr auf die Seite, daß Tschitschikow sich mit beiden Händen festhalten mußte. Erst jetzt bemerkte er, daß Seliphan einen tüchtigen Rausch hatte.
„Halt! Halt! Du wirfst mich um!“ rief er ihm zu.
„Nicht doch, gnädiger Herr, wie können Sie denken, daß ich Sie umwerfe,“ sagte Seliphan. „Das wäre schlecht von mir, wenn ich das täte, das weiß ich selbst; o nein, das tue ich nicht, unter keinen Umständen werfe ich Sie um!“ Hierauf versuchte er den Wagen umzuwenden, aber er drehte und wendete ihn so lange, bis er ihn ganz umwarf. Tschitschikow fiel mit Füßen und Händen in den Dreck. Übrigens gelang es Seliphan wenigstens die Pferde zum Stehen zu bringen; wahrscheinlich aber wären sie auch schon von selber stehen geblieben, weil sie sehr müde waren. Dieses unerwartete Ereignis brachte Seliphan ganz aus der Fassung. Er kroch von seinem Bock herunter, stellte sich vor den Wagen hin, stemmte beide Hände in die Seite und sagte, während sein Herr sich im Schmutze herumwälzte und sich vergeblich zu erheben versuchte: „Ist das Ding also doch umgefallen!“
„Du bist betrunken wie ein Schwein!“ sagte Tschitschikow.
„Nicht doch, gnädiger Herr! Wie könnte ich auch betrunken sein! Ich weiß doch, daß es schlecht ist, betrunken zu sein. Ich hab’ nur ein wenig mit einem guten Freunde geplaudert; mit einem guten Menschen darf man doch sprechen — das ist doch nichts Schlimmes — und nachher haben wir zusammen gegessen. Das ist doch auch nichts Unrechtes — ein wenig mit einem guten Menschen zu schmausen.“
„Was habe ich dir gesagt, als du das letztemal betrunken warst, wie? Hast du’s schon wieder vergessen?“ sagte Tschitschikow.
„Gewiß nicht, Euer Gnaden, wie könnte ich so etwas vergessen? Ich kenne doch meine Pflicht! Ich weiß doch, wie unrecht es ist, betrunken zu sein. Ich habe doch nur mit dem braven Menschen da gesprochen, es ist doch nicht ...“