„Ich lasse dir eine Tracht Prügel geben, dann wirst du schon wissen, was es heißt, mit einem braven Menschen zu sprechen ...“

„Wie es Euer Gnaden belieben wird,“ antwortete Seliphan, der mit allem zufrieden war. „Wenn’s denn Prügel geben soll, nun gut, ich widersetze mich nicht. Warum sollte es keine Prügel geben, wenn man’s verdient hat; das steht ganz bei Ihnen, dafür sind Sie der Herr! Der Bauer muß mitunter Prügel haben, sonst sticht ihn der Haber. Ordnung muß sein. Wenn ich’s verdient habe, dann laß mich nur durchprügeln, warum sollte es auch keine Prügel geben?“

Auf eine solche Überlegung fand Tschitschikow keine Antwort. In diesem Augenblick aber schien sich das Schicksal selbst seiner erbarmen zu wollen. Plötzlich erklang Hundegebell aus der Ferne. Hocherfreut gab Tschitschikow Seliphan den Befehl zum Aufbruch und schärfte ihm ein, recht schnell zu fahren. Ein russischer Kutscher hat einen feinen Instinkt, wo ihn seine Augen verlassen; so kann es geschehen, daß er die Augen zumacht, im Galopp dahinjagt und dennoch irgend ein Ziel erreicht. Obgleich Seliphan nichts mehr sah, steuerte er mit seinen Pferden gerade auf das Dorf los und machte erst Halt, als der Wagen mit der Deichsel auf einen Zaun stieß, und durchaus nicht mehr weiter kommen wollte. Tschitschikow konnte durch die dichte Nebelhülle nichts außer einem Fleck entdecken, der wie ein Dach aussah. Er gab Seliphan den Auftrag, nach dem Tor zu suchen, was ohne Zweifel recht lange gedauert hätte, wenn es in Rußland nicht statt des Portiers flinke Hunde gäbe, die in so lauter Weise Meldung von seiner Ankunft erstatteten, daß er sich die Ohren mit den Fingern zustopfte. In einem Fenster leuchtete ein Licht auf, dessen trübe Strahlen auch auf den Zaun fielen, und unseren Reisenden den Weg zum Tore wiesen. Seliphan klopfte an, worauf sich bald eine Pforte auftat und eine in einen Schlafrock gehüllte Gestalt sehen ließ. Herr und Diener hörten eine heitere Frauenstimme, die ihnen zurief: „Wer klopft da? Wer lärmt hier so?“

„Wir sind Reisende, Mütterchen, wir suchen ein Nachtquartier,“ sagte Tschitschikow.

„So? Seh einer den Leichtfuß!“ murmelte die Alte. „Kommt zu so später Abendstunde angefahren. Hier ist keine Herberge. Hier wohnt eine Gutsbesitzerin.“

„Was soll ich machen, Mütterchen? Wir haben uns verirrt. Wir können doch bei dem Wetter nicht im Freien übernachten.“

„Ja das Wetter ist trübe und schlecht,“ bemerkte Seliphan.

„Schweig! Esel,“ sagte Tschitschikow.

„Wer sind Sie?“ fragte die Alte.

„Ein Edelmann, Mütterchen.“