Seliphan war den Weg über sehr ernst und streng und widmete sich seinem Dienst mit großer Aufmerksamkeit, was immer dann zu geschehen pflegte, wenn er etwas verschuldet hatte oder betrunken gewesen war. Die Pferde waren von einer bewundernswerten Sauberkeit. Das Kummet bei dem einen, welches gewöhnlich zerlocht und zerfetzt war, sodaß das Werg unter dem Leder hervorquoll, war sorgfältig genäht und ausgebessert. Er war während des ganzen Weges sehr schweigsam, schwang nur hin und wieder die Peitsche und unterließ es vollkommen, seine Pferde mit lehrhaften Reden zu beehren, obwohl der Schecke natürlich gerne eine Belehrung entgegengenommen hätte. Denn während einer solchen Rede pflegte der wortfrohe Wagenlenker die Zügel immer recht lose in der Hand zu halten, und er ließ auch die Peitsche nur pro forma über den Rücken der Pferde hüpfen. Aber der finstere Mund ließ dieses Mal nur monotone und unfreundliche Ausrufe vernehmen, wie: „Hüh! Hüh! alte Krähe! was trödelst du!“ sonst nichts. Aber selbst der Braune und der Assessor waren nicht zufrieden, weil sie kein einziges freundliches und Achtung zollendes Wort zu hören bekamen. Der Schecke erhielt sogar häufig äußerst unangenehme Schläge auf seine weichen, wohlgerundeten Körperteile. „Sieh mal, was in den gefahren ist!?“ dachte er sich, indem er seine Ohren ein wenig spitzte. „Der weiß auch, wohin er haut; sucht sich nicht etwa den Rücken aus, sondern gerade die empfindlichsten Stellen. Schlägt einem die Peitsche um die Ohren oder geht einem sogar an den Bauch.“
„Rechts? Wie?“ Mit dieser trockenen Frage wandte sich Seliphan an das neben ihm sitzende Mädchen, indem er mit der Peitsche auf den vom Regen geschwärzten Weg hinwies, der sich zwischen frischen, in hellem Grün leuchtenden Feldern dahinzog.
„Nein, noch nicht! Ich werde es dir schon sagen!“ antwortete das Mädchen.
„Nun, wohin denn?“ fragte Seliphan, als sie sich dem Kreuzweg näherten.
„Dorthin!“ sagte das Mädchen, indem es mit dem Finger die Richtung anzeigte.
„Ach! du!“ sagte Seliphan, „das ist doch rechts! Kann rechts und links nicht unterscheiden.“
Obwohl der Tag sehr heiter war, war die Straße derartig schmutzig, daß der Kot an den Wagenrädern kleben blieb und sie bald wie mit einer Filzschicht bedeckte, was die Equipage am Fortkommen hinderte. Dazu war der Boden noch sehr locker und lehmig. Dieses war die Ursache, daß sie die Landstraße nicht vor Mittag erreichten. Ohne das Mädchen wäre es ihnen wahrscheinlich auch schwerlich gelungen, weil die Wege nach allen Richtungen auseinanderliefen, wie gefangene Krebse, wenn man sie aus dem Netze schüttet. Und Seliphan hätte sich ohne seine Schuld leicht verirren können. Bald darauf zeigte das Mädchen mit der Hand auf ein Gebäude, das in der Ferne sichtbar wurde, und sagte: „Da ist die Poststraße.“
„Und was ist das für ein Gebäude?“ fragte Seliphan.
„Ein Wirtshaus,“ sagte das Mädchen.
„So, nun werden wir schon selbst den Weg finden. Du kannst jetzt nach Hause gehen.“