„Bei Gott! Er kostet zehntausend!“ sagte Nosdrjow.
„Du kannst schwören, soviel du willst,“ erwiderte der Schwager.
„Nun gut, willst du wetten?“ sagte Nosdrjow.
Aber der Schwager wollte nicht wetten.
Dann zeigte Nosdrjow den Gästen einen leeren Verschlag, in dem früher ein paar gute Pferde gestanden hatten. Daselbst befand sich auch ein Ziegenbock, der nach einem alten Aberglauben in keinem Pferdestall fehlen darf, und der sich mit seinen Genossen offenbar recht gut vertrug, denn er spazierte unter ihren Bäuchen hindurch, als ob er zu Hause wäre. Dann führte Nosdrjow die beiden Herren weiter, um ihnen einen kleinen Wolf zu zeigen, welcher an der Kette lag. „Das ist ein junger Wolf!“ sagte er, „ich füttere ihn absichtlich mit rohem Fleisch!“ Dann sah man sich noch einen Teich an, in dem sich, nach Nosdrjows Worten, Fische von solcher Größe befanden, daß mindestens zwei Menschen dazu gehörten, um einen davon aus dem Wasser zu ziehen. Übrigens unterließ es der Schwager auch diesmal nicht, seine Zweifel zu äußern. „Hör mal Tschitschikow,“ sagte Nosdrjow, „ich will dir ein paar herrliche Hunde zeigen: man glaubt gar nicht, was die für kräftige Muskeln haben! Und die Nase! So spitz wie eine Nadel!“ Mit diesen Worten führte er sie zu einem hübschen kleinen Häuschen, das von einem großen und ringsum eingefriedigten Hof umgeben war. Als sie diesen betraten, erblickten sie eine ganze Kollektion von Hunden, wollhaarige und schlichthaarige aller nur möglichen Farben und Rassen, dunkelbraune, schwarze, schwarz- und braungefleckte, halbgescheckte, getigerte, braungescheckte, schwarzohrige, grauohrige usw. usw. ... Hier bekam man sämtliche Hundenamen und alle nur möglichen Imperative zu hören wie Beiß, Wach, Schimpf, Funke, Frechdachs, Gottseibeiuns, Störenfried, Stich, Pfeil, Schwälbchen, Schätzchen, Vorstehdame. Nosdrjow bewegte sich unter ihnen ganz wie ein Vater in seiner Familie: sie kamen alle mit freudig erhobenen Schwänzen, die man in der Jägersprache Ruten nennt, auf die Gäste zugestürzt und begrüßten sie lebhaft. Etwa zehn Stück sprangen an Nosdrjow empor und legten ihm ihre Pfoten auf die Schultern. „Schimpf“ bezeugte dieselbe Freundschaft für Tschitschikow und versetzte ihm, indem er sich auf die Hinterbeine stellte, einen herzhaften Kuß, sodaß jener schleunigst ausspie. Dann ging man zur Besichtigung der Hunde über, deren Muskelkraft Nosdrjows Stolz bildete — und in der Tat, die Hunde waren gut. Hierauf sah man sich noch eine Hündin aus der Krim an, welche schon blind war und nach Nosdrjows Worten bald verrecken mußte. Vor zwei Jahren sei es noch eine recht gute Hündin gewesen. Man nahm auch diese Hündin in Augenschein, und siehe da, sie war wirklich blind. Von hier aus ging man weiter, um eine Wassermühle anzusehen, der die Achse fehlte, an welcher der obere Mühlstein befestigt ist, und um die er sich mit großer Geschwindigkeit dreht, oder an der er nach dem seltsamen Ausdruck des russischen Bauern herauf und herunter hüpft, weswegen er auch der „Hüpfer“ genannt wird. „Nun kommt bald die Schmiede,“ sagte Nosdrjow. Nach einigen Schritten erblickten sie tatsächlich eine Schmiede, deren Betrachtung man gleichfalls einige Augenblicke widmete.
„Auf diesem Felde,“ sagte Nosdrjow, indem er mit dem Finger hinzeigte, „gibt es eine solche Unmenge von Hasen, daß man die Erde garnicht sieht. Ich selbst habe neulich einen mit der Hand bei den Hinterläufen erwischt.“
„Na, weißt du, mit der Hand erwischst du keinen Hasen.“
„Und ich hab doch einen gefangen! Wahrhaftig!“ antwortete Nosdrjow. „So, nun will ich dich an die Grenze meines Gutes führen,“ setzte er hinzu, indem er sich an Tschitschikow wandte.
Nosdrjow führte seine Gäste über das Feld, das stellenweise mit kleinen Mooshügeln bedeckt war. Die Gäste mußten den Weg über Brachland und geeggte Saatfelder nehmen. Tschitschikow verspürte eine gewisse Ermüdung. An vielen Stellen sanken ihre Füße in dem Sumpfe ein: so tief war das Land gelegen. Anfangs nahmen sie sich in acht und traten vorsichtig auf, da sie aber sahen, daß das doch nichts half, marschierten sie einfach drauflos, ohne zu fragen, wo der Dreck am höchsten lag. Nachdem sie ein beträchtliches Stück Weges zurückgelegt hatten, erblickten sie in der Tat die Grenze, welche durch einen hölzernen Pfahl und einen schmalen Graben markiert wurde.
„Das ist die Grenze,“ sagte Nosdrjow. „Alles was diesseits liegt — dies alles ist mein Eigentum, und sogar jener Wald, den ihr da auf der anderen Seite schimmern seht, und das ganze Stück, das hinter dem Walde liegt, gehört mir.“