Tschitschikow mußte sich selbst gestehen, daß er nicht gerade geschickt gelogen hatte, und die ersonnene Ausflucht eigentlich recht schwach war. „Nun gut, dann will ich dir die Wahrheit sagen,“ sagte er, indem er sich verbesserte, „ich bitte dich nur um eins, es nicht weiter zu plaudern. Ich habe die Absicht, mich zu verheiraten; aber leider sind der Vater und die Mutter meiner Braut höchst ehrgeizige Leute, die hoch hinaus wollen. Eine verfluchte Geschichte! ich ärgere mich beinahe, daß ich mich überhaupt darauf eingelassen habe: sie wollen partout, daß der Bräutigam mindestens dreihundert Seelen haben solle, und da mir beinahe ganze hundertfünfzig daran fehlen, so .....“

„Ne Bruder, du schwindelst!“ rief Nosdrjow wieder.

„Nein wirklich, diesmal hab’ ich auch nicht einmal soviel gelogen,“ sagte Tschitschikow, indem er mit dem Daumen auf ein winziges Stück des kleinen Fingers wies.

„Den Kopf zum Pfande, daß du schwindelst!“

„Hör mal, du beleidigt mich! Wer bin ich denn eigentlich? Warum soll ich denn durchaus lügen?“

„Aber ich kenne dich doch: du bist ja ein großer Spitzbube — gestatte mir bitte, dir das einmal in aller Freundschaft zu sagen. Wenn ich dein Chef wäre, ich ließe dich am ersten besten Baum aufhängen.“

Tschitschikow fühlte sich durch diese Bemerkung beleidigt. Jeder grobe, die Grenzen der Schicklichkeit verletzende Ausdruck berührte ihn peinlich. Alle Familiaritäten seitens anderer Personen waren ihm in der Seele zuwider, und er suchte sich ihnen zu entziehen, es sei denn, daß sie von hochgestellten Leuten ausgingen. Daher fühlte er sich jetzt im Innersten gekränkt.

„Bei Gott, ich ließe dich hängen!“ wiederholte Nosdrjow, „ich meine das ganz aufrichtig und sage das nicht um dich zu beleidigen, sondern erlaube es mir als dein Freund.“

„Alles hat seine Grenzen,“ sagte Tschitschikow mit Würde. „Wenn du dich mit solchen Redensarten brüsten willst, dann geh doch lieber in die Kaserne.“ — Und er fügte hinzu: „Willst du sie mir nicht schenken, so verkaufe sie mir wenigstens.“

„Verkaufen! Aber ich kenne dich doch. Du bist ein Hallunke. Du wirst ja doch nicht viel dafür geben.“