Mit diesen Worten ging er hinaus und ließ Tschitschikow in der allerschlechtesten Laune zurück. Er ärgerte sich innerlich über sich selbst, und machte sich Vorwürfe, daß er mitgefahren war und seine schöne Zeit unnütz verloren hatte; was er sich jedoch am wenigsten verzeihen konnte, war dies, daß er über seine eigenste Angelegenheit mit ihm gesprochen hatte; das war sehr unvorsichtig von ihm gewesen, er hatte gehandelt wie ein Tor; denn die Sache selbst war durchaus nicht von der Art, daß sie Nosdrjow — anvertraut werden konnte ... Nosdrjow war ein gemeiner Kerl; er konnte noch was hinzuschwindeln, weiß der Teufel, was für Lügen darüber verbreiten, und schließlich konnte noch eine dumme Klatschgeschichte daraus entstehen ... Fatal, höchst fatal! „Ich bin doch wirklich ein Esel!“ sprach er zu sich selber. Er schlief die Nacht über sehr schlecht. Eine gewisse Gattung ganz kleiner aber äußerst kecker und zudringlicher Insekten verfolgten ihn fortwährend mit ihren Bissen, die unerträglich schmerzhaft waren, so daß er sich mit der ganzen Hand an den betreffenden Stellen kratzte und murmelte: „Hol euch der Teufel, mitsamt Nosdrjow!“ Es war noch sehr früh, als er erwachte. Sein erster Gang, nachdem er Stiefel und Schlafrock angezogen hatte, war nach dem Stall, welcher sich am Ende des Hofes befand, wo er Seliphan den Auftrag gab, die Pferde sofort anzuspannen. Auf dem Rückwege traf er Nosdrjow, der ihm, gleichfalls im Schlafrock und mit der Pfeife im Munde, im Hofe entgegen kam.
Nosdrjow grüßte ihn freundschaftlich und fragte, wie er die Nacht geschlafen habe.
„Sehr mäßig!“ antwortete Tschitschikow trocken.
„Ich auch, Freund ...“ sagte Nosdrjow ... „weißt du, die ganze Nacht hat mich dies verdammte Viehzeug geplagt, ich mag’s garnicht erzählen; dazu habe ich nach dem gestrigen Abend einen Geschmack im Munde, wie wenn eine ganze Schwadron drin übernachtet hätte. Denk dir, mir träumte, daß ich Ruten bekomme. Wahrhaftig! Und weißt du von wem? Ich möchte wetten, daß du’s nicht errätst: vom Stabsrittmeister Pozelyjew und von Kufschinnikow.“
„Ja ja,“ dachte Tschitschikow, „es wäre wirklich nicht schlecht, wenn du einmal gründlich durchgebläut würdest.“
„Bei Gott! Es hat verflucht weh getan! Ich bin sogar davon aufgewacht; und in der Tat, es juckte mich am ganzen Körper; das verdammte Gelichter, diese Flöhe! So, gehe jetzt hinauf und zieh dich an; ich komme gleich wieder zu dir. Ich muß nur dem Schuft von Verwalter noch mal den Kopf waschen.“
Tschitschikow begab sich auf sein Zimmer, um sich zu waschen und anzuziehen. Als er gleich darauf ins Speisezimmer trat, stand schon ein Teeservice und eine Flasche Rum auf dem Tisch. Im Zimmer waren noch Spuren vom gestrigen Diner und Souper bemerkbar; Bürste und Besen hatten noch ihres Amtes nicht gewaltet. Auf dem Fußboden lagen Brodkrumen und selbst auf dem Tischtuche sah man ganze Haufen von Tabakasche herumliegen. Der Hausherr, der bald darauf hereinkam, hatte nichts an, außer einem Schlafrock, unter dem die offene mit dichten Haaren bewachsene Brust hervorguckte. So mit dem Pfeifenrohr in der einen, und mit der Tasse, aus der er ab und zu nippte, in der anderen Hand, wäre er so recht ein Bild für einen Maler gewesen, welcher die gelockten und gekräuselten oder kurz geschorenen Köpfe nicht leiden kann, wie man sie auf den Aushängeschildern der Barbierläden abgebildet findet.
„Nun also, wie denkst du?“ fragte Nosdrjow nach einer kurzen Pause, „willst du um die Seelen spielen oder nicht?“
„Ich hab dir doch schon gesagt, daß ich nicht mag; abkaufen — tue ich sie dir gern.“
„Verkaufen will ich sie nicht: das wäre nicht freundschaftlich. Ich will doch nicht weiß der Teufel wovon die Decke runterziehen. Ein Spielchen — das ist eine andre Sache. Zieh doch eine Karte!“