„Nein, erlauben Sie, warum sagen Sie ‚eingetragene‘? Die Seelen sind doch schon lange tot. Was von ihnen übrig geblieben ist, ist ja doch nur ein den Sinnen unfaßbarer Schall. Übrigens, um nicht noch viel Worte drüber zu verlieren, anderthalb Rubel will ich Ihnen allenfalls geben, aber auch keinen Heller mehr.“
„Schämen Sie sich doch, von einer solchen Summe überhaupt zu reden! Seien Sie ehrlich, nennen Sie den richtigen Preis!“
„Ich kann nicht, Michael Semjonowitsch; bei meiner Ehre, ich kann nicht! Was nicht geht, das geht nicht.“ sagte Tschitschikow, bot aber aus Politik sogleich noch etwas mehr.
„Warum wollen Sie so knausern,“ sprach Sabakewitsch, „es ist wahrhaftig nicht zu teuer. Geraten Sie mal an einen andern, der wird Sie tüchtig übers Ohr hauen und Ihnen irgend einen Schund anstelle der Seelen aufhalsen. Bei mir dagegen kriegen Sie lauter auserlesene, vollkernige Exemplare, alles Handwerker und kräftige Ackerleute. Passen Sie mal auf, nehmen Sie zum Beispiel den Michejew, den Wagenbauer, der hat überhaupt nur Federwagen gebaut, und das war keine Moskauer Arbeit, die grad für eine Stunde reicht. Nein, was der machte, hatte Hand und Fuß; und dazu polsterte und lackierte er den Wagen noch selbst.“
Tschitschikow erlaubte sich den Einwand, daß Michejew denn doch schon lange nicht mehr auf der Welt sei, aber Sabakewitsch war so sehr in den Redestrom geraten, daß er sogar beredt wurde und in immer reißendere Wortgefälle gelangte.
„Und Stepan Probka, der Zimmermann? Ich setze meinen Kopf zum Pfande, daß Sie keinen besseren Arbeiter finden werden. Wenn der in der Garde gedient hätte, wozu der’s noch gebracht hätte! Der war einen Meter 86 groß!“
Tschitschikow wollte wieder einwenden, daß doch auch Probka nicht mehr auf der Welt sei; aber Sabakewitsch wurde offenbar vom dem Redefluß fortgerissen. Der Wortschwall ergoß sich wie ein rauschender Gießbach, daß es eine Lust war ihm zuzuhören.
„Und dann Milaschkin, der Töpfermeister, der setzte Ihnen einen Ofen hin, wo Sie nur wollten in jedem Hause. Oder Martin Teljatnikow, der Schuster, ein Stich mit der Ahle, und er hatte ein paar Stiefel fertig; und was für Stiefel! Dabei nahm er nie einen Tropfen Schnaps in den Mund. Und Jeremej Sorokobljochin! Der ist allein soviel wert als die andern zusammen. Der war in Moskau Händler, brachte allein 500 Rubel Erbzins jährlich ein. Das sind Kerle! Nicht so ein Plunder, wie ihn euch ein Pluschkin verkaufen wird.“
„Aber erlauben Sie,“ sagte Tschitschikow endlich, betroffen von solchem Überschwang der Rede, die wie es schien, gar kein Ende nehmen wollte. „Wozu zählen Sie mir alle ihre Vorzüge auf? Jetzt hat man ja doch nichts mehr davon. Das sind doch lauter tote Leute! Mit Toten kann man höchstens Vögel scheuchen, wie das Sprichwort sagt.“
„Freilich sind sie tot,“ sagte Sabakewitsch, der erst jetzt zu sich zu kommen und sich darüber klar zu werden schien, daß es sich in der Tat um Tote handele, fuhr aber sogleich fort: „Übrigens diese sogenannten Lebenden, was sind das für Leute! Es sind Fliegen und keine Menschen.“