„Dafür sind sie doch wenigstens lebendig! Aber jene sind doch eigentlich nur ein Traum.“
„O nein, durchaus kein Traum; ich sage Ihnen solch einen Kerl wie den Michejew finden Sie nicht so leicht wieder; so ein Gestell, der geht Ihnen nicht in dies Zimmer. Nein, das ist kein Traum. Hat der Kerl eine Kraft in den Schultern gehabt, da kommt ein Pferd nicht gegen auf. Ich möchte doch wissen, ob Sie noch anderswo so einen Traum antreffen werden.“ Bei den letzten Worten wandte er sich schon nicht mehr an Tschitschikow, sondern an die die Wände zierenden Porträts Kolocotronis und Bagrations, wie das oft bei Unterhaltungen zu geschehen pflegt, wenn der eine der Mitunterredner aus einem unbekannten Grunde sich nicht an die Person wendet, an die seine Worte gerichtet sind, sondern an irgend einen zufällig hereingeschneiten Dritten, den er vielleicht garnicht kennt, und obwohl er weiß, daß er von ihm weder eine Antwort, noch eine Äußerung, noch ein Zeichen der Zustimmung zu gewärtigen hat. Und doch heftet er seinen Blick auf ihn, als rufe er ihn zum Schiedsrichter an, worauf der Unbekannte zunächst ein wenig verlegen wird und nicht recht weiß, ob er sich zu der Frage äußern soll, von der er nichts gehört hat, oder lieber zur Wahrung der Anstandsregeln noch ein wenig stehen bleiben und dann erst fortgehen soll.
„Nein, mehr als zwei Rubel kann ich nicht geben,“ sagte Tschitschikow.
„Schön, damit Sie sich nicht beklagen können, daß ich zuviel verlangt habe und Ihnen garnicht ein bißchen entgegengekommen bin, bin ich bereit, sie Ihnen für 75 Rubel das Stück — aber in Papiergeld — zu lassen. Wirklich, ich tue es nur aus Freundschaft.“
„Was fällt dem Kerl ein,“ dachte Tschitschikow; „er hält mich wohl für einen Esel!“ Und er fügte laut hinzu: „Es ist doch wirklich merkwürdig, es sieht fast so aus, als ob wir hier Theater oder Komödie spielen. Anders kann ich es mir nicht erklären! Sie machen doch den Eindruck eines klugen Mannes, der den gesamten Bildungsstoff beherrscht. Was ist denn das Objekt, um das es sich handelt. Das ist doch bloß Ppff, ein reines Nichts! Was für einen Wert hat es, wer braucht es!?!“
„Sie wollen es aber doch kaufen; also brauchen Sie es doch wohl!“ Hier biß sich Tschitschikow auf die Lippen, ohne eine Antwort finden zu können. Er murmelte etwas von Familienverhältnissen, aber Sabakewitsch erklärte bloß:
„Ich will garnichts von Ihren Verhältnissen wissen; ich mische mich nie in Familienangelegenheiten — das ist Ihre persönliche Sache. Sie brauchen Seelen, und ich biete Ihnen welche an. Sie werden es noch bereuen, daß Sie mir keine abgekauft haben.“
„Zwei Rubel,“ sagte Tschitschikow.
„Ach sind Sie ein Mensch! Der Pirol pfeift stets dasselbe Lied, wie das Sprichwort sagt: Hat sich da auf die zwei Rubel versteift und kann nun durchaus nicht wieder davon loskommen. Nennen Sie doch einen vernünftigen Preis.“
„Na, hol ihn der Teufel!“ dachte Tschitschikow, „meinetwegen, ich will ihm noch einen halben Rubel spendieren, dem Hund! damit er sich was zugute kommen lassen kann. Also gut, ich gebe Ihnen zwei Rubel fünfzig!“