„Ein so guter Bekannter! Ein alter Schulkamerad!“

Und über das erstarrte Gesicht huschte plötzlich etwas wie ein warmer Strahl, ein schwacher Ausdruck oder doch wenigstens ein matter Abglanz eines Gefühls belebte die toten Züge; wie wenn auf der Oberfläche eines Gewässers ganz plötzlich und unerwartet ein Ertrinkender auftaucht und nun die am Ufer versammelte Menge in freudiges Jauchzen ausbricht; aber vergebens werfen die freudig erregten Schwestern und Brüder das rettende Seil aus und warten ungeduldig darauf, daß sich eine Schulter oder der vom Todeskampfe ermattete Arm aus den Fluten emporstrecke — er war zum letzten Mal emporgetaucht. Und stumm wird’s ringsumher, und schrecklicher noch, und öder erscheint jetzt die glatte ruhige Fläche des launischen Elementes. So wurde auch Pljuschkins Gesicht, nachdem der Schimmer eines Gefühls darüber hinweggeglitten war, fast noch kälter, gemeiner und gefühlloser.

„Auf dem Tisch lag doch ein Stückchen reines Papier,“ sagte er, „aber ich weiß nicht, wo es hingekommen ist: diese Taugenichtse von Dienstboten!“ — Und er guckte unter den Tisch und auf den Tisch, kramte überall herum und rief schließlich: „Mawra, he! Mawra!“ Auf sein Geschrei erschien ein Weib mit einem Teller in der Hand, auf dem der dem Leser schon bekannte Zwieback thronte. Jetzt entspann sich folgendes Gespräch zwischen beiden:

„Wo hast du das Papier gelassen, du Diebin?“

„Bei Gott, gnädiger Herr! Ich habe kein Papier gesehen, außer dem Stückchen, mit dem Sie das Spitzglas bedeckt haben.“

„Man sieht dir’s ja an den Augen an, daß du es stibitzt hast.“

„Wie käme ich dazu, es zu stibitzen? Ich wüßte doch nichts damit anzufangen. Ich kann ja nicht einmal lesen und schreiben.“

„Das lügst du, du hast es zum Küster hingetragen, das ist ein Tintenklexer, dem wirst du’s wohl gegeben haben.“

„Wenn der will, so kann er sich jederzeit Papier verschaffen. Der Küster hat Ihren Papierfetzen überhaupt nicht zu sehen bekommen!“

„Warte nur! Die Teufel werden dir beim jüngsten Gericht tüchtig zusetzen mit ihren eisernen Halseisen. Paß einmal auf, wie die dich plagen werden!“