Nachdem er die Zähne vor Wut aufeinander gebissen hatte, verließ er das Lokal und beschloß, wider seine Gewohnheit unterwegs niemand anzusehen und keinem auch nur das geringste Lächeln zu spenden.

Plötzlich blieb er wie versteinert vor der Tür eines Hauses stehen. Seine Augen wurden von einer unerklärlichen Erscheinung angezogen: ein Wagen hielt dicht neben dem Trottoir, der Schlag wurde geöffnet und ihm entstieg ein uniformierter Herr, der eiligst die Treppe hinaufeilte. Wie groß war Kowalews Entsetzen, wie groß war sein Erstaunen, als er in ihm seine eigene Nase wiedererkannte. Angesichts dieses außergewöhnlichen Schauspieles war ihm zu Mute, als ob sich alles um ihn herumdrehe, und nur mit Mühe vermochte er sich aufrecht zu halten. Aber trotzdem beschloß er, obwohl er am ganzen Körper zitterte wie ein Fieberkranker, zu warten, bis dieser Herr wieder zurückkehren würde, um in seinen Wagen zu steigen.

Nach Ablauf zweier Minuten erschien die „Nase“ tatsächlich. Sie trug eine goldgestickte Uniform mit hohem steifen Kragen, Beinkleider aus Semischleder, und an der Seite einen Degen. An den Federn ihres Hutes konnte man erkennen, daß es sich um einen Staatsrat handelte. Der Anzug des Herrn wies darauf hin, daß er gerade Besuche abstattete. Er schaute sich nach links und nach rechts um, rief dem Kutscher ein „Vorwärts!“ zu und rollte davon.

Der unglückliche Kowalew fühlte sich dem Wahnsinn nahe. Er wußte nicht, was er von einem so überraschenden Ereignis halten sollte. Wie war es denn auch nur möglich, daß eine Nase, die sich noch gestern abend in seinem Gesicht befand und die weder gehen noch fahren konnte, jetzt eine Uniform trug! Er stürzte hinter dem Wagen her, der glücklicherweise nicht sehr weit fuhr und vor dem Gostini Dwor[13] halt machte.

Er rannte wie ein Besessener und schlüpfte zwischen einer Reihe alter Bettlerinnen mit verbundenen Gesichtern und zwei großen Öffnungen statt der Augen hindurch, über die er sich früher so oft lustig gemacht hatte. Sonst trieben sich hier nur wenig Menschen umher. Kowalew befand sich in einer solchen geistigen Verwirrung, daß er keinen Entschluß fassen konnte und lediglich in allen Winkeln und Ecken nach dem Herrn Ausschau hielt; endlich sah er ihn vor einem Laden stehen. Die Nase verbarg ihr Gesicht völlig in ihrem hohen Kragen und betrachtete mit gespannter Aufmerksamkeit die ausliegenden Waren.

„Soll ich ihn anreden?“ dachte Kowalew. „Aus seiner ganzen Persönlichkeit, aus seiner Uniform und seinem Dreispitz geht klar und deutlich hervor, daß es ein Staatsrat ist. Wenn ich nur wüßte, wie ich es anstellen soll! ...“

Schließlich begann er ganz in der Nähe des Staatsrates zu husten; aber die Nase verließ auch nicht für eine Minute ihren Standpunkt.

„Mein Herr!“ sagte Kowalew, der sich innerlich Mut zuzusprechen versuchte, „mein Herr! ...“

„Was wünschen Sie?“ fragte die Nase, indem sie sich umwandte.

„Ich finde es erstaunlich, mein Herr ... mir scheint, daß ... Sie sollten doch wissen, wohin Sie gehören. Und plötzlich finde ich Sie, und noch dazu ... hier? ... Sie müssen doch zugeben ...“