„Verzeihung; ich kann absolut nicht begreifen, wovon Sie sprechen. Erklären Sie sich deutlicher!“

„Wie soll ich mich ihm noch verständlich machen?“ dachte Kowalew. Und sich ein Herz fassend begann er:

„Sicherlich ... übrigens bin ich Major. Ich habe zurzeit keine Nase. Sie müssen zugeben, das schickt sich doch nicht. Einer Hökerin, die auf der Woskressenski-Brücke geschälte Orangen feilbietet, mag es ja im Grunde nichts ausmachen, ohne Nase herum zu laufen. Jedoch was mich anbetrifft, der ich die Ehre habe, Beamter zu sein und der ich außerdem Beziehungen zu vielen Häusern unterhalte, zu Damen der Gesellschaft, wie zum Beispiel zu Frau Tschechtarewa, die die Frau eines Staatsrates ist, und noch zu vielen andern, ... urteilen Sie selbst ... Ich weiß nicht, mein Herr“ — und hierbei zuckte der Major Kowalew mit den Achseln — „entschuldigen Sie tausendmal ... aber wenn man die Sache vom Standpunkt der Ehre und der Pflicht betrachtet ... Sie können selbst begreifen ...“

„Ich begreife absolut nichts,“ erwiderte die Nase. „Erklären Sie sich deutlicher.“

„Mein Herr,“ versetzte Kowalew mit Würde, „ich weiß nicht, wie ich Ihre Worte auffassen soll. Hier handelt es sich doch, wie mich dünkt, um einen durchaus klaren Vorgang. Oder wollen Sie ... denn kurz und gut, Sie sind doch meine eigene Nase!“

Die Nase blickte den Major an, und runzelte die Stirne.

„Sie täuschen sich, mein Herr; ich bin durchaus selbständig. Außerdem können zwischen uns nicht die geringsten Beziehungen existieren. Nach den Knöpfen Ihrer Uniform zu urteilen, müssen Sie in einem andern Ressort dienen.“

Und nach diesen Worten drehte ihm die Nase den Rücken.

Kowalew war nun völlig verwirrt und wußte nicht, was er tun, ja nicht einmal was er sich denken sollte. In diesem Augenblick ertönte das angenehme Rascheln eines seidenen Gewandes. Eine alte, über und über mit Spitzen behängte Dame ging an ihm vorbei, begleitet von einem jungen Mädchen, deren weißes Kleid ihre harmonische Figur aufs vorteilhafteste zur Geltung brachte; sie trug einen gelben federleichten Hut. Beide Damen wurden von einem baumlangen Heiducken mit mächtigem Bart und einem ganzen Dutzend von Mantelaufschlägen begleitet. Er blieb hinter den Damen stehen und öffnete seine Tabaksdose.

Kowalew trat nahe an sie heran, rückte den Kragen seines Batisthemdes zurecht, brachte sein an einer goldenen Kette hängendes Petschaft in Ordnung und wandte seine ganze Aufmerksamkeit der jungen Dame zu, die sich leicht wie eine Frühlingsblume bewegte und eine kleine weiße Hand mit fast durchsichtigen Fingern an ihre Lippen führte. Das Lächeln auf Kowalews Gesicht wurde noch intensiver, als er unter dem Hut ein rundes Kinn von blendender Weiße und einen Teil der Wange bemerkte, die in ihrem Teint einer zarten Frühlingsblume glich.