Aber nur zu bald prallte er wie von einer Tarantel gestochen zurück.
Er hatte sich soeben daran erinnert, daß er keine Nase mehr hatte; und heiße Tränen entströmten seinen Augen.
Er wandte sich um, um dem uniformierten Herrn laut und deutlich zu sagen, daß er nur die Larve eines Staatsrates trüge, daß er ein Lump, ein Spitzbube wäre und daß er nichts weiter sei als seine eigne Nase ... Aber die Nase war verschwunden; sie hatte den günstigen Augenblick benutzt und sich entfernt, höchstwahrscheinlich, um noch einen Besuch abzustatten.
Dieser Umstand stürzte Kowalew vollends in Verzweiflung. Er blieb noch eine Minute unter dem Säulengang stehen und schaute sich gespannt nach allen Seiten um, ob er nicht etwas von der Nase bemerken könne. Er erinnerte sich deutlich, daß ihr Hut mit Federn geschmückt und die Uniform mit Gold gestickt war; aber er hatte nicht auf den Mantel geachtet, auch nicht auf die Farbe des Wagens noch auf die der Pferde; er wußte nicht einmal, ob hinten ein Lakai gestanden hatte und was für eine Livree er trug. Überdies waren eine solche Anzahl von Fahrzeugen aller Art im Trab durch die Straßen gefahren, daß es schwer war, sie voneinander zu unterscheiden. Und hätte er auch das gesuchte herausgefunden, wie hätte er ihm Halt gebieten sollen?
Der Tag war sehr schön und sonnig. Auf dem Newski-Prospekt wimmelte es von Menschen. Ein üppiger Damenflor überschwemmte das ganze Trottoir von der Polizei-Brücke bis zur Anitschkin-Brücke. Hier ging ein Hofrat, ein Bekannter von Kowalew, den er meist, besonders aber vor fremden Leuten, „Oberstleutnant“ zu titulieren pflegte. Dort sah er seinen Busenfreund Jaryschkin, der sich beim Bostonspiel oft genug hineinlegen ließ, und dort einen andern Major, der gleich ihm seinen Grad im Kaukasus erlangt hatte, und der ihm nun mit der Hand ein Zeichen gab, er möge doch zu ihm herüberkommen.
„Der Teufel soll ihn holen!“ sagte Kowalew. „Kutscher! bring mich doch auf dem nächsten Wege zum Polizei-Präfekten.“
Kowalew bestieg eine Droschke und schrie dem Kutscher jeden Augenblick zu: „Fahr zu, so schnell du kannst!“
„Ist der Polizei-Präfekt zu sprechen?“ fragte er sofort beim Eintritt in das Vestibül.
„Nein,“ antwortete der Portier; „er ist soeben weggegangen.“
„Das ist ja wundervoll!“