„Gewiß,“ fügte der Portier hinzu, „erst vor ganz kurzer Zeit ist er fortgegangen. Wären Sie nur eine Minute früher gekommen, Sie hätten ihn sicher noch getroffen.“
Ohne das Taschentuch vom Gesicht zu nehmen, stürzte Kowalew wieder in den Wagen zurück und rief dem Kutscher mit verzweifelter Stimme zu:
„Fahr weiter!“
„Wohin?“ fragte der Kutscher.
„Geradeaus!“
„Wie? Geradeaus? Wir befinden uns doch an einer Straßenecke: also rechts oder links?“
Diese Frage verwirrte Kowalew und zwang ihn von neuem zum Nachdenken. In seiner Lage wäre es vor allem angebracht gewesen, aufs Polizeipräsidium zu gehen, nicht weil seine Angelegenheit direkt in das Polizeiressort gehörte, sondern weil er hier auf eine schnellere Erledigung als sonst wo rechnen konnte. Sich an das Ressort zu wenden, in dem die Nase angestellt war, wäre sicher unklug gewesen, ging doch bereits aus den eigenen Äußerungen der Nase zur Evidenz hervor, daß es für diesen Mann nichts Heiliges gab. Weshalb sollte er sich denn nicht mittels einer Lüge aus einer solchen Lage befreien, er hatte doch ganz frech gelogen, als er behauptete, daß er nie etwas mit ihm zu tun hatte. Kowalew wollte dem Kutscher gerade den Befehl geben, er solle ihn zum Polizei-Präsidium fahren, als ihm der Gedanke kam, daß dieser miserable Kerl, der sich bei ihrer ersten Begegnung so perfid benommen hatte, den günstigen Augenblick benutzen und die Stadt verlassen könnte; — und dann wären alle Nachforschungen überflüssig gewesen, oder sie konnten sich, was Gott verhüten mochte, wohl gar einen ganzen Monat hinziehen. Endlich gab ihm, wie er glaubte, der Himmel selbst einen Wink. Er beschloß, direkt nach der Expedition der Amtszeitung zu fahren und dort sofort eine Annonce mit der genauen Angabe seines Signalements einrücken zu lassen, damit die, die der Nase begegneten, sie ihm zuführen oder ihm doch wenigstens die Wohnung dieses Räubers mitteilen konnten.
Nachdem er diesen Entschluß gefaßt hatte, befahl er dem Kutscher, nach der betreffenden Expedition zu fahren, bearbeitete während der ganzen Fahrt unaufhörlich den Rücken des Automedon mit seinen Fäusten und schrie:
„Schneller, du Spitzbube! Schneller, Kanaille!“
„Aber, Herr!“ antwortete nur immer kopfschüttelnd der Kutscher und schlug mit dem Zügel über den Rücken des Pferdes, das so behaart war wie ein Bologneserhund.