Endlich hielt die Droschke, und Kowalew trat ganz atemlos in ein kleines Empfangszimmer, wo ein alter Beamter in einem schäbigen Frack und mit einer Brille hinter einem Tische saß, einen Federkiel zwischen den Zähnen hielt und Kupfergeld zählte.

„Wer nimmt hier Annoncen an?“ schrie Kowalew; „doch ich bitte um Verzeihung, guten Morgen vor allen Dingen!“

„Guten Morgen!“ sagte der alte Beamte und blickte einen Moment empor, um seine Aufmerksamkeit sofort wieder seinen Geldhaufen zuzuwenden.

„Ich möchte ein Inserat aufgeben ...“

„Einen Augenblick nur bitte ich Sie, sich gedulden zu wollen,“ fuhr der Beamte fort, indem er mit der Hand eine Zahl auf das Papier schrieb und mit einem Finger der Linken an der Rechenmaschine zwei Kugeln verschob.

Ein galonnierter Diener von äußerst korrektem Aussehen, dem man seine lange Dienstzeit in aristokratischen Häusern anmerkte, stand mit einem Zettel vor dem Tisch und hielt es für angebracht, auf seine gesellschaftliche Bildung hinzuweisen.

„Seien Sie überzeugt, mein Herr, daß dieser kleine Hund keine acht Groschen wert ist; ich für meine Person würde nicht acht Pfennig für ihn geben. Aber die Frau Gräfin betet ihn an, bei Gott! sie betet ihn in der Tat an, — deshalb verspricht sie seinem Ueberbringer hundert Rubel. In aller Höflichkeit sei’s gesagt, aber unter uns: die Geschmacksrichtungen der Leute sind doch ganz unberechenbar. Wenn man schon einmal Hundeliebhaber ist, so halte man sich meinetwegen einen Windhund oder einen Pudel; dafür kann man ruhig fünfhundert, ja auch tausend Rubel anwenden, aber dann hat man auch einen wirklich wertvollen Hund.“

Der ehrenwerte Beamte hörte sich diese Ausführungen mit einer sehr bezeichnenden Miene an und zählte unterdessen ruhig die Buchstaben des Zettels, den der Diener mitgebracht hatte. Links von ihm hatte sich eine Menge alter Weiber, Handlungsgehilfen und Portiers gleichfalls mit Zetteln in der Hand angesammelt.

Aus einem dieser Zettel ging hervor, daß ein Kutscher, der sich sehr gut geführt hatte, von seinem Besitzer aus dem Dienst entlassen worden war, aus einem andern, daß man eine noch wenig benutzte, um 1814 aus Paris bezogene Kutsche zum Verkauf feilbot. Hier suchte ein neunzehnjähriges Dienstmädchen, das waschen und gleichzeitig noch andere Arbeiten verrichten konnte, eine Stellung. Dort wollte jemand eine Droschke ohne Federn verkaufen, oder einen jungen, feurigen, siebzehn Jahre alten Apfelschimmel, oder erst kürzlich aus London eingetroffenen Rüben- und Rettichsamen, oder ein Landhaus mit allem Zubehör (zwei Pferdeställen, nebst einem Platz, wo man einen prachtvollen Birken- oder Tannenwald anpflanzen konnte usw.). Wieder andere annoncieren, daß sie alte Sohlen zu verkaufen hätten, und luden täglich von 8 bis 3 Uhr zu deren Besichtigung ein.

Das Zimmer, in dem sich der ganze Schwarm aufhielt, war klein, und infolgedessen war die Luft in ihm äußerst dumpf; allein der Kollegien-Assessor Kowalew merkte nichts davon, denn sein Gesicht war mit einem Taschentuch verhüllt und seine Nase befand sich Gott weiß wo —