„Das ist überhaupt kein Benehmen, Andrei Iwanowitsch. Das ist bloß so eine Gewohnheit dieser Herren Generäle: sie duzen alle Leute. Und schließlich, warum sollte man das einem so verdienten und geachteten Mann nicht einmal gestatten?“

„Das ist ganz was andres,“ versetzte Tentennikow, „wäre er nur ein alter Herr oder ein armer Kerl, und nicht so eitel, stolz und empfindlich, wäre er kein General, dann würde ich es ihm sehr gern erlauben, mich du zu nennen, und es sogar mit Respekt aufnehmen.“

„Tatsächlich, er ist ein Narr!“ dachte Tschitschikow. „Einem zerlumpten Kerl würde er es gestatten, einem General dagegen nicht!“ Und nach dieser Erwägung fuhr er laut fort: „Gut, meinetwegen, zugegeben, daß er Sie beleidigt hat, aber Sie haben sich doch revanchiert: er hat Sie beleidigt, und Sie haben ihm die Beleidigung zurückgegeben. Aber wie kann man sich wegen einer solchen Bagatelle entzweien und eine Sache so im Stiche lassen, die einem persönlich am Herzen liegt? Nein, da muß ich schon um Entschuldigung bitten, das ist doch ... Wenn Sie sich einmal ein Ziel gesteckt haben, dann müssen Sie auch drauf los gehen, komme was da will. Wer achtet denn darauf, daß die Menschen einen anspeien. Alle Menschen bespeien einander. Heute finden Sie keinen Menschen auf der ganzen Welt, der nicht um sich schlägt und einen nicht anspuckt.“

Tentennikow war über diese Worte aufs höchste betroffen, er saß ganz verblüfft da und dachte nur: „Ein zu seltsamer Mensch, dieser Tschitschikow!“

„Ist das ein wunderlicher Kauz! dieser Tentennikow!“ dachte Tschitschikow, und er fuhr laut fort: „Andrei Iwanowitsch, lassen Sie mich zu Ihnen sprechen, wie zu einem Bruder. Sie sind noch so unerfahren. Erlauben Sie mir, daß ich die Sache ins Reine bringe. Ich will zu Seiner Exzellenz hinfahren und ihm erklären, daß die Sache Ihrerseits auf einem Mißverständnis beruht, und auf Ihre Jugend und Ihre geringe Welt- und Menschenkenntnis zurückzuführen ist.“

„Ich habe nicht die Absicht, vor ihm zu kriechen!“ sagte Tentennikow gekränkt „und kann auch Sie nicht dazu zu ermächtigen!“

„Zum Kriechen bin ich nicht fähig,“ versetzte Tschitschikow gleichfalls gekränkt. „Ich bin nur ein Mensch. Ich kann mich irren und fehlen, aber kriechen — niemals! Entschuldigen Sie Andrei Iwanowitsch; ich meine es zu gut mit Ihnen, als daß sie ein Recht hätten, meinen Worten einen so beleidigenden Sinn unterzulegen.“

„Verzeihen Sie, Pawel Iwanowitsch, ich bin schuld!“ sagte Tentennikow gerührt und ergriff Tschitschikow dankbar bei beiden Händen. „Ich wollte Sie wirklich nicht beleidigen. Ihre gütige Teilnahme ist mir sehr wertvoll. Das schwöre ich Ihnen. Aber geben wir dies Gespräch auf, wir wollen nie wieder über diese Sache reden!“

„Dann fahre ich eben, ohne einen besonderen Anlaß, zum General“, sprach Tschitschikow.

„Wozu?“ fragte Tentennikow, indem er Tschitschikow verwundert ansah.