Der Beamte hatte das lebhafteste Mitgefühl mit Kowalew, der sich in einer höchst peinlichen Situation befand. Von dem Wunsche beseelt, seinen Kummer ein wenig zu mildern, hielt er es für gut, ihm mit einigen Worten seine Teilnahme auszusprechen:
„Wahrhaftig, ich bin sehr betrübt, daß Ihnen ein solches Mißgeschick widerfahren ist. Nehmen Sie vielleicht eine Prise Tabak? Das vertreibt die Kopfschmerzen und den Hang zur Melancholie! Außerdem ist es ein unfehlbares Heilmittel gegen Hämorrhoiden!“
Mit diesen Worten reichte der Beamte ihm seine Tabaksdose, indem er den Deckel, der mit dem Porträt einer Dame im Hut geschmückt war, in sehr geschickter Weise wegschob.
Dieser unüberlegte Höflichkeitsakt brachte Kowalew um den Rest seiner Geduld.
„Ich verstehe nicht, wie Sie solche Scherze machen können!“ sagte er zornig. „Sehen Sie denn nicht, daß mir augenblicklich gerade der Körperteil fehlt, der zum Nehmen einer Prise unbedingt erforderlich ist? Der Teufel soll Ihren Tabak holen! Ich kann ihn jetzt garnicht mehr sehen, selbst dann nicht, wenn es kein stinkender Beresinski, sondern echter Rapé wäre.“
Nach diesen Worten verließ er tiefgekränkt das Zeitungsbureau und begab sich aufs Polizei-Kommissariat.
Als Kowalew ins Bureau trat, traf er dort einen Beamten an, der gerade gähnte, sich streckte und laut zu sich selbst sprach: „Ich würde jetzt mit großem Vergnügen noch ein paar Stündchen schlafen.“
Man sieht hieraus, daß ihm die Ankunft des Kollegien-Assessors nichts weniger als gelegen kam.
Der Polizei-Kommissar war ein großer Liebhaber von allen möglichen Kunstgegenständen; doch zog er einen mit dem kaiserlichen Wappen geschmückten Schein allen andern Dingen vor.
„Das ist ein Stück,“ sagte er oft, „wie es nirgends ein besseres gibt: es braucht keine Nahrung, nimmt wenig Platz ein, läßt sich bequem in die Tasche stecken und zerbricht nicht, wenn es einmal zu Boden fällt.“