Er empfing Kowalew sehr kühl und ließ die Bemerkung fallen, daß die Stunde nach dem Mittagessen nicht der geeignete Moment zur Erledigung amtlicher Nachforschungen wäre, und daß die Natur uns selbst darauf hinwiese, daß es gut sei, einen Augenblick der Ruhe zu pflegen, wenn man gegessen habe — woraus der Kollegien-Assessor ersehen konnte, daß die Gepflogenheiten der Philosophen des Altertums dem Kommissar nicht ganz unbekannt waren —, und daß ein ordentlicher Mann seine Nase nicht verliere.

Diese Worte verwundeten unseren Helden aufs tiefste.

Hierbei muß bemerkt werden, daß Kowalew eine äußerst empfindliche Natur war. Er konnte alles verzeihen, was man über ihn sagte, doch niemals vergab er einen Verstoß gegen die seiner amtlichen Würde gebührende Achtung. Er dachte daran, daß man in den Theaterstücken alle üblen Bemerkungen über die Subaltern-Offiziere durchgehen ließ, aber niemals ein Wort, das sich gegen die höheren Offiziere richtete. Der Empfang des Kommissars brachte ihn derartig aus der Fassung, daß er kopfschüttelnd und im Bewußtsein seiner Würde die Hände erhob und erklärte:

„Ich muß gestehen, daß ich auf solche beleidigende Äußerungen nichts zu erwidern habe.“

Und damit ging er.

Er suchte seine Wohnung auf; es war ihm, als wären seine Beine abgestorben. Es wurde bereits dunkel, und seine Behausung erschien ihm nach allen diesen fruchtlosen Nachforschungen sehr traurig und sehr schmutzig. Beim Eintritt in das Vorzimmer bemerkte er auf dem alten schmutzigen Ledersopha seinen Diener Iwan, der auf dem Rücken lag, sich damit unterhielt, an die Zimmerdecke zu spucken, und hierbei mit großer Geschicklichkeit stets ein und dieselbe Stelle traf. Eine solche Gleichgültigkeit versetzte ihn vollends in Wut; er schlug ihm mit seinem Hut auf die Stirn und schrie ihn an:

„Du Esel hast doch immer nur Torheiten im Sinn!“

Iwan sprang von seiner Bank herunter und stürzte schleunigst herbei, um ihm seinen Mantel abzunehmen.

Der Major trat müde und traurig in sein Zimmer, warf sich in einen Sessel, seufzte einigemal laut auf und sagte:

„Mein Gott! Mein Gott! Womit habe ich ein solches Unglück verdient? Hätte ich eine Hand oder einen Fuß verloren — das wäre noch nicht so schlimm; aber ein Mensch ohne Nase, das ist doch ... weiß der Teufel was! Ein Vogel, der kein Vogel ist, ein Bürger, der das Bürgerrecht verloren hat, das ist ganz einfach ein Ding, das man nehmen und zum Fenster hinauswerfen möchte. Wäre sie mir wenigstens noch im Kriege oder im Duell abhanden gekommen, oder hätte ich es wenigstens selbst verschuldet! Aber so um nichts und wieder nichts, ohne jede Veranlassung zu verduften! Nein, nein ... das ist ja ganz unmöglich!“ — fügte er nach kurzem Nachdenken hinzu —, „es ist ganz unglaublich, daß eine Nase so ohne weiteres verschwindet. Das ist doch zu unwahrscheinlich. Sicherlich träume ich bloß oder ich bilde es mir nur ein. Vielleicht habe ich aus Versehen statt eines Glases Wasser den Branntwein ausgetrunken, mit dem ich mir nach dem Rasieren mein Gesicht einreibe. Dieser Schafskopf Iwan wird ihn sicher nicht weggenommen haben, und so habe ich ihn gewiß ganz ahnungslos heruntergegossen.“