Nach dieser Einleitung schüttelte der Arzt den Kopf und sagte:

„Nein, es ist unmöglich! Es ist besser, Sie lassen die Geschichte auf sich beruhen, sonst könnte es noch schlimmer werden. Gewiß kann man die Nase wieder befestigen; ich könnte es sogar auf der Stelle tun, das unterliegt keinem Zweifel. Aber ich gebe Ihnen die Versicherung, daß es dann noch schlimmer werden kann.“

„Das ist ja großartig! Aber wie kann ich denn ohne Nase existieren?“ sagte Kowalew. „Schlimmer als jetzt kann es ja garnicht werden. Da soll doch das heilige Donnerwetter dreinschlagen! Wo kann ich mich denn mit einem solchen grotesken Kopf blicken lassen? Ich muß doch meine guten Beziehungen pflegen, heute abend muß ich sogar noch zwei Besuche abstatten. Ich bin mit vielen einflußreichen Personen bekannt, so z. B. mit Frau Staatsrat Tschechtarewa, und mit Frau Podtotschina, die die Gattin eines höheren Offiziers ist, wenngleich ich mit dieser Dame nach dem Vorgefallenen nur noch durch die Polizei verkehren werde. Tun Sie mir den Gefallen,“ fügte Kowalew mit bittender Stimme hinzu, „setzen Sie sie mir wieder an, mir ist jedes Mittel recht. Wenn es auch nicht gut aussieht, die Hauptsache ist, daß sie hält; in gefährlichen Situationen könnte ich sie ja etwas mit der Hand stützen. Im übrigen tanze ich auch garnicht, sodaß ich nicht etwa zu befürchten brauche, daß sie sich durch eine unvorsichtige Bewegung ablösen könnte. Und was das Honorar für Ihren Besuch anbetrifft, so können Sie überzeugt sein, daß, soweit es mir meine Mittel gestatten ...“

„Glauben Sie mir,“ sagte der Arzt nicht allzu laut, aber auch nicht allzu leise, auf jeden Fall aber in überzeugendem und eindringlichem Tone, „daß ich meine Kunst niemals um des schnöden Mammons willen ausübe. Das wäre gegen meine Grundsätze und gegen meinen Beruf. Ich nehme gern eine Vergütung für meinen Besuch an, aber einzig und allein, um Sie nicht durch meine Weigerung zu verletzen. Gewiß kann ich Ihre Nase wieder anheften. Aber ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, wenn Sie es mir so nicht glauben wollen, daß es sehr häßlich aussehen wird. Lassen Sie doch lieber die Natur walten! Waschen Sie die betreffende Stelle recht häufig mit kaltem Wasser, und ich versichere Sie, daß Sie sich ohne Nase ebenso gut befinden werden als mit ihr. Und dann gebe ich Ihnen noch den Rat, die Nase in einem Gefäß mit Spiritus aufzubewahren oder noch besser zwei Suppenlöffel Branntwein und heißen Essig in den Rezipienten zu tun, — auf diese Weise könnten Sie viel Geld für sie erhalten. Ich selbst würde sie Ihnen gern abnehmen, wenn Sie nicht zu teuer sind!“

„Nein, nein, um keinen Preis in der Welt würde ich sie verkaufen!“ rief der Major Kowalew verzweifelt aus; „lieber will ich sie vernichten!“

„Entschuldigen Sie,“ sagte der Arzt und erhob sich; „ich wollte Ihnen nur nützlich sein ... Was ist da zu tun? Auf jeden Fall haben Sie sich von meinem guten Willen überzeugt.“

Mit diesen Worten und mit einer vornehmen Handbewegung verließ der Arzt das Zimmer. Kowalew hatte nicht einmal sein Gesicht deutlich gesehen und in seiner tiefen Betäubung nur die Manschetten seines schneeweißen Hemdes bemerkt, das aus den Ärmeln des schwarzen Frackes hervorleuchtete.

Am folgenden Tage beschloß er, noch bevor er die Klage gegen Frau Podtotschina einreichte, an sie zu schreiben und sie zu fragen, ob sie seiner Forderung nicht vielleicht gutwillig Folge leisten wollte.

Dieser Brief lautete folgendermaßen:

„Sehr geehrte Frau Alexandra Grigoriewna!