Es ist mir unmöglich, Ihre äußerst seltsame Handlungsweise zu begreifen. Seien Sie überzeugt, daß Sie hierdurch nichts gewinnen und mich keineswegs dazu zwingen werden, Ihre Tochter zu heiraten. Was die Angelegenheit mit meiner Nase anbetrifft, so ist die Rolle, dessen versichere ich Sie, die Sie, die Hauptanstifterin, in ihr spielen, von allem andern zu schweigen, schon völlig aufgeklärt. Ihr plötzliches Verschwinden von ihrem Platze, ihre Flucht, ihre Verkleidung als Beamter wie ihr darauffolgendes Auftreten in natürlicher Gestalt: das alles ist nur die Folge einer Behexung, die Sie oder irgend welche von Ihnen bezahlte Kreaturen gegen mich inszeniert haben. Was nun mich anbetrifft, so glaube ich die Pflicht zu haben, Ihnen im voraus anzukündigen, daß ich, sollte die in Frage kommende Nase sich nicht noch heute an ihrem alten Platze befinden, mich gezwungen sehen würde, den Beistand und Schutz der Gerichte anzurufen.
Im übrigen bin ich mit der Versicherung meiner vorzüglichen Hochachtung
Ihr ergebener Diener
Platon Kowalew.“
„Geehrter Herr Platon Kusmitsch!
Ihr Brief hat mich in außerordentliches Erstaunen versetzt. Ich gestehe offen, ich hätte von Ihnen nie so ungerechte Vorwürfe erwartet. Ich gebe Ihnen die Versicherung, daß ich den Beamten, von dem Sie sprechen, weder maskiert, noch in eigener Gestalt, bei mir empfangen habe. Allerdings hat mich Philipp Iwanowitsch Potantschikow besucht. Und obgleich er in der Tat um die Hand meiner Tochter angehalten hat und auf einen tadellosen, nüchternen Lebenswandel und große Bildung hinweisen konnte, habe ich ihm doch keinerlei Hoffnung gegeben. Sie sprechen dann noch von Ihrer Nase. Wenn Sie damit sagen wollen, daß ich die Absicht habe, Ihnen eine Nase zu drehen statt Sie endgültig abzuweisen, so kann ich hierüber nur meiner Überraschung Ausdruck verleihen. Denn wie Sie sehr wohl wissen, ist gerade das Gegenteil davon der Fall; und wenn Sie gegenwärtig gesonnen sein sollten, meine Tochter zu Ihrem Ehegemahl zu machen, so bin ich bereit, Ihnen sofort jede Genugtuung zuteil werden zu lassen. Damit wäre in der Tat einer meiner innigsten Wünsche erfüllt. In dieser Hoffnung bin ich wie stets
Ihre gehorsame Dienerin
Alexandra Podtotschina.“
„Nein!“ sagte Kowalew nachdem er den Brief gelesen hatte, „sie ist sicher unschuldig. Das ist ja ganz unmöglich! Solch einen Brief kann nie und nimmer eine Person schreiben, die ein Verbrechen auf ihrem Gewissen hat.“
Der Kollegien-Assessor verstand sich auf diese Dinge, war er doch schon mehrfach mit Untersuchungen in den kaukasischen Provinzen betraut worden.
„Wie mag es nur geschehen sein?“ fragte er sich immer wieder. „Hol’s der Teufel!“