Tschitschikow fühlte beides: Ehrfurcht und Scheu. Er neigte den Kopf ehrerbietig zur Seite, streckte die Hände aus, wie wenn sie ein Tablett mit Teetassen ergreifen wollten, verbeugte sich mit bewundernswürdiger Gewandtheit fast bis zur Erde und sagte: „Ich habe es für meine Pflicht gehalten, Exzellenz meine Aufwartung zu machen. Die hohe Achtung vor den Tugenden der Männer, die das Vaterland auf den Schlachtfeldern verteidigten, veranlaßte mich, mich Eurer Exzellenz persönlich vorzustellen.“

Dem General schien diese Introduktion nicht zu mißfallen. Er machte eine sehr gnädige Kopfbewegung und sagte: „Ich freue mich sehr, Ihre Bekanntschaft zu machen. Bitte nehmen Sie Platz! Wo haben Sie gedient?“

„Das Feld meiner Tätigkeit,“ sprach Tschitschikow, indem er sich im Lehnstuhl niederließ — aber nicht in der Mitte, sondern ein wenig seitwärts auf der Kante — und mit der Hand die Stuhllehne festhielt, „das Feld meiner Tätigkeit begann im Kameralhof, Exzellenz, um seinen weiteren Verlauf an verschiedenen Stellen zu nehmen; ich habe im Hofgericht, in einer Baukommission und im Zollamt gedient. Mein Leben läßt sich mit einem Schiff inmitten stürmischer Wogen vergleichen, Exzellenz. Ich kann wohl sagen, ich bin mit Geduld aufgesäugt und großgepäppelt, ich selbst bin sozusagen die personifizierte Geduld. Wieviel ich allein von meinen Feinden zu erdulden hatte, das vermag weder ein Wort noch der Pinsel eines Künstlers zu schildern. Erst jetzt an meinem Lebensabend suche ich mir einen Winkel, wo ich den Rest meiner Tage verbringen kann. Einstweilen habe ich mich bei einem der nächsten Nachbarn Eurer Exzellenz niedergelassen ...“

„Bei wem, wenn ich fragen darf?“

„Bei Tentennikow, Exzellenz.“

Der General runzelte die Stirn.

„Er bereut es schwer, Exzellenz, daß er Eurer Exzellenz nicht die schuldige Achtung erwiesen hat.“

„Achtung! Wovor?“

„Vor den Verdiensten Eurer Exzellenz,“ sagte Tschitschikow. „Er kann bloß das rechte Wort nicht finden ... Er sagt: ‚Wenn ich Seiner Exzellenz nur irgendwie ... denn ich weiß doch die Männer zu schätzen, die das Vaterland gerettet haben,‘ sagt er.“

„Ja, was will er denn? ... Ich bin ihm doch garnicht böse!“ versetzte der General, der schon weit milder gestimmt war. „Ich habe ihn herzlich lieb gewonnen und bin überzeugt, daß er mit der Zeit noch ein sehr nützlicher Mensch werden kann.“