Tschartkow wurde in jeder Beziehung ein Modemaler. Er begann, Diners zu besuchen und Damen in die Galerien und sogar auf Bälle und Feste zu begleiten, sich geckenhaft zu kleiden und laut zu behaupten, daß ein Künstler gesellschaftsfähig sein müsse, daß er sich standesgemäß zu betragen habe, daß sich die Maler im allgemeinen wie die Schuster kleiden, sich nicht anständig zu benehmen, den höheren Ton nicht zu wahren verstehen und jeder Bildung entbehren. Bei sich zu Hause im Atelier beobachtete er die peinlichste Reinlichkeit und Akkuratesse; er hielt sich zwei elegante Lakaien, nahm stutzerhafte Schüler an, kleidete sich mehrere Male am Tage um, ließ sich das Haar brennen, beschäftigte sich damit, verschiedene Gesten einzustudieren, mit denen er seine Besucher zu empfangen gedachte, und legte den größten Wert auf die Pflege seines Äußeren, um einen möglichst günstigen Eindruck auf die Damen zu machen, mit einem Wort, man konnte in ihm bald kaum noch jenen Künstler wiedererkennen, der einst unbemerkt und im stillen in seinem Kämmerlein auf der Wassilij-Insel gearbeitet hatte. Über Künstler und Kunst fällte er nur noch die anmaßendsten Urteile, er behauptete, man mäße den früheren Meistern zu viel Wert bei, denn sie alle mit Ausnahme von Raffael hätten keine lebendigen Menschen, sondern bloß Heringe geschaffen, und er erklärte, die Ansicht, daß ihnen etwas Heiliges innewohne, existiere nur in der Einbildung der Beschauer; ja selbst Raffael habe nicht nur vollendete Werke geschaffen und viele seiner Bilder genössen überhaupt nur aus einem gewissen Atavismus einen so hohen Ruhm; er schrie, daß Michelangelo ein Prahler sei, der nur durch Kenntnis der Anatomie imponieren wollte, daß er gar keine Grazie besäße, und daß man einen wirklichen Glanz, und die wahre Kraft der Pinselführung und des Kolorits nur in dem gegenwärtigen Zeitalter finden könne. Dann kam er naturgemäß auch auf sich selbst zu sprechen. „Ich verstehe nicht, wozu sich die Menschen so anstrengen,“ pflegte er zu sagen, „da hocken und brüten sie über ihrer Arbeit: ein Mensch, der mehrere Monate hintereinander an einem Bilde herumtiftelt, ist meines Erachtens nichts als ein gewöhnlicher Tagelöhner und kein Künstler; ich kann nicht glauben, daß er Talent besitzt. Ein Genie schafft kühn und schnell. Sehen Sie,“ pflegte er zu sagen, indem er sich an seine Besucher wandte, „dieses Porträt hier habe ich in zwei Tagen gemalt, dieses Köpfchen in einem Tage, dies hier nur in wenigen Stunden, und das dort in etwas mehr als einer Stunde. Nein, offengestanden, ich kann doch ein Werk nicht als Kunst gelten lassen, in dem Strich neben Strich gesetzt ist, nein, das ist Handwerkerarbeit und keine Kunst mehr.“ So sprach er zu seinen Gästen, und diese bewunderten die Kraft und Leichtigkeit seiner Pinselführung, stießen Rufe des Erstaunens aus, wenn sie hörten, in wie kurzer Zeit die Werke entstanden waren, und teilten es nachher auch anderen mit. „Das ist ein Talent, o ein großes, wahres Talent! Sehen Sie nur, wie seine Augen glänzen, wenn er spricht. Il y a quelque chose d’extraordinaire dans toute sa figure!“

Dem Künstler schmeichelte es, solche Reden über sich zu hören. Wenn er in den Journalen öffentlich gelobt und gepriesen wurde, dann freute er sich wie ein Kind, obgleich diese Lobeserhebungen von ihm für bares Geld gekauft worden waren. Er trug ein solches Zeitungsblatt immer mit sich herum und zeigte es gleichsam unabsichtlich all seinen Bekannten und Freunden. Und dies ergötzte ihn aufs höchste, so einfältig und naiv es war. Sein Ruhm wuchs, die Aufträge und Bestellungen mehrten sich; schon fing er an, der immer gleichen Porträts und Gesichter, deren Ausdruck er bereits auswendig kannte, überdrüssig zu werden. Schon malte er ohne große Begeisterung, indem er sich nur noch bemühte, den Kopf auf die Leinewand zu werfen; das übrige überließ er seinen Schülern. Früher suchte er wenigstens noch, seinen Porträts ein neues Moment abzugewinnen, durch eine neue Stellung, durch die Kraft der Pinselführung oder durch gewisse Effekte zu überraschen. Jetzt langweilte ihn auch dies allmählich. Das dauernde Grübeln und Suchen nach Neuem ermüdete seinen Geist. Er konnte es bald auch gar nicht mehr, er hatte dazu auch keine Zeit. Die unregelmäßige Lebensweise und die Gesellschaft, in der er die Rolle eines Lebemanns zu spielen suchte, entfremdeten ihn der wirklichen Arbeit. Seine Pinselführung wurde kalt und stumpf, und erstarrte unmerklich in eintönigen, konventionellen, längst verbrauchten Formen. Die langweiligen, kalten, ewig gepflegten, ledernen oder sozusagen zugeknöpften Gesichter der Beamten, der militärischen wie der zivilen, boten dem Pinsel in der Tat keinen großen Spielraum. Die prächtigen Drapierungen, die starken Bewegungen und Leidenschaften hatte er völlig vergessen. Von künstlerischer Komposition, von dramatischem Leben, von einer erhabenen Steigerung war überhaupt nicht mehr die Rede. Vor seinen Augen schwirrten nichts wie Uniformen, Korsetts und Fräcke, alles Dinge, die einen Künstler kalt lassen und die jede Phantasie ertöten. Selbst die am leichtesten zu erreichenden Vorzüge gingen seinen Arbeiten jetzt ab, trotzdem aber fanden sie immer noch Anerkennung, wenn auch wirklich Kenner und Künstler angesichts seiner letzten Bilder nur mit den Achseln zuckten. Die wenigen, die Tschartkow von früher her kannten, vermochten nicht zu verstehen, wie ein Talent, dessen Stärke sich schon in dem jungen Schüler gezeigt hatte, so zugrunde gehen konnte, und sie bemühten sich vergebens, zu erraten, wie in einem Menschen plötzlich die Begabung erlöschen könne, in demselben Augenblick, wo seine Kräfte erst eben zu voller Entfaltung gekommen waren.

Aber der von seinen Erfolgen trunkene Künstler hörte alle diese Äußerungen nicht. Schon begann er zu altern, mit den Jahren bemächtigte sich seiner eine gewisse geistige Schwerfälligkeit, er wurde allmählich immer dicker und ging sichtlich in die Breite. Schon las er in den Zeitungen und Journalen Epitheta wie die folgenden: „Unser verehrter Andrej Petrowitsch!“ „Unser hochverdienter ...!“ Schon bot man ihm Ehrenämter an, lud ihn zu Prüfungen ein und wählte ihn in verschiedene Komitees, schon trat er, wie es im gesetzteren Alter immer zu geschehen pflegt, entschieden für Raffael und die alten Meister ein, nicht weil er durchaus von ihrem hohen Werte durchdrungen war, sondern nur deshalb, um sie als Angriffswaffe gegen seine jüngeren Kollegen zu benutzen. Schon vergnügte er sich damit, nach Art älterer Herren der ganzen Jugend ohne Ausnahme Sittenlosigkeit oder eine tadelnswerte Geistesrichtung zum Vorwurf zu machen. Schon neigte er sich der Auffassung zu, daß alles in der Welt ganz einfach und wie von selbst vor sich gehe, daß es keine Inspiration gebe und daß alles einem strengen Regiment, der Ordnung und einer monotonen Regelmäßigkeit unterworfen sein müsse, — mit einem Wort, er war bereits in jene Jahre gekommen, wo aller Sturm und Drang, der überhaupt jemals in einem Menschen pulsiert hat, zu verschwinden beginnt, wo die Töne des zauberhaften Bogens nur gedämpft an die Seele rühren und das Herz nicht mehr mit erschütternden Klängen umkreisen, wo der Kuß der Schönheit keine jungfräulichen Kräfte mehr in Flammen wandelt — wo sich dafür aber alle verglühten Gefühle dem Klirren des Goldes um so zugänglicher erweisen, immer aufmerksamer auf seine verlockende Musik lauschen, ihr allmählich und unmerklich immer mehr Macht über sich einräumen und sich sanft von ihr einlullen lassen.

Der Ruhm kann dem, der ihn gestohlen und nicht verdient hat, keinen Genuß gewähren. Nur den, der seiner würdig ist, erfüllt er ständig mit einem wonnigen Schauder. Und so wandten sich alle seine Empfindungen und Wünsche dem Golde zu. Das Gold wurde ihm Leidenschaft, Ideal, Schreckbild, Genuß und Lebenszweck. In seinen Tischen häuften sich Päckchen von Banknoten an, und wie jeder, dem dieses schreckliche Geschenk zuteil wird, verwandelte er sich nach und nach immer mehr in einen langweiligen, nur dem Golde zugänglichen, törichten Geizhals, einen sinnlosen Sammler, und er war schon auf dem besten Wege, zu einem jener Sonderlinge zu werden, deren es in unserer seelenlosen Welt gar viele gibt. Ein warmblütiger und gütiger Mensch betrachtet sie voll Entsetzen, ihm erscheinen sie als steinerne Särge, die sich vor ihm bewegen und einen leblosen Klumpen anstelle eines Herzens in sich bergen. Aber eine merkwürdige Begebenheit sollte bald sein ganzes Wesen durchrütteln und erschüttern.

Eines Tages erblickte er auf seinem Tische ein Schreiben, in dem die Akademie der Künste ihn als ihr hochverehrtes Mitglied um sein Erscheinen und um sein Urteil über ein neues Werk bat, das aus Italien angekommen war und einen dort zur Vervollkommnung weilenden russischen Künstler zum Urheber hatte. Dieser Künstler war ein ehemaliger Freund von ihm, der seit langem die Leidenschaft für die Kunst in sich barg, und sich mit der feurigen Seele eines Fanatikers in seine Arbeit vergraben hatte; er hatte sich von all seinen Freunden und Verwandten, von allen lieben Gewohnheiten losgerissen und war in ein Land geeilt, wo ein herrlicher Himmel eine majestätische Kunst reifen läßt: in das überwältigende Rom, bei dessen Erwähnung eines Künstlers feuriges Herz stets voll und stürmisch zu schlagen pflegt. Dort versenkte er sich wie ein Einsiedler in sein Werk und in ein durch nichts abgelenktes Studium. Ihn kümmerte es wenig, daß sich die Menschen über sein seltsames Wesen aufhielten, daß man seine Unfähigkeit, sich in der guten Gesellschaft zu bewegen, seine Verachtung der konventionellen Formen tadelte und von dem Schaden sprach, den er dem Künstlerstande durch seinen ärmlichen, altmodischen Anzug zufügte. Es war ihm völlig gleichgültig, ob ihm seine Kollegen zürnten oder nicht, er hatte auf alles zugunsten der Kunst verzichtet und hatte ihr alles geopfert. Unermüdlich besuchte er die Galerien und Museen, er konnte stundenlang vor den Werken der großen Meister stehen und deren wundervolle Pinselführung studieren. Er vollendete kein Werk, bevor er sich angesichts dieser großen Vorbilder geprüft und sich aus ihren Werken einen stummen und doch so beredten Rat geholt hatte. An lärmenden Unterhaltungen und Streitigkeiten beteiligte er sich nie, er nahm weder für, noch gegen die Puristen Partei, sondern ließ allen die schuldige Anerkennung zuteil werden, indem er in allem nur das Schöne zu entdecken wußte, bis er sich endlich einzig und allein dem göttlichen Raffael als seinem Lehrmeister überließ, — wie auch ein großer Dichter, der schon so viele verschiedene Werke voll Anmut und majestätischer Schönheit kennen gelernt hat, zuletzt nur noch Homers Ilias als die überragende Dichtung gelten läßt, nachdem er entdeckt hat, daß in diesem Epos alles enthalten ist, was man von einem Kunstwerk verlangen kann, und daß sich hier alles in höchster Vollkommenheit wiederspiegelt. Und so hatte er sich denn bei dieser beständigen Arbeit an sich selbst eine hervorragende Schaffenskraft, eine machtvolle Schönheit der Gedanken und die hohe Anmut einer schier überirdischen Pinselführung erworben.

Als Tschartkow in den Saal eintrat, fand er bereits eine Menge von Besuchern vor, die vor dem Bilde standen. Eine tiefe Stille, wie sie nur selten unter so zahlreichen Kritikern herrscht, empfing ihn diesmal. Er beeilte sich, seinem Gesicht einen bedeutenden Ausdruck und eine tiefsinnige Kennermiene zu geben und trat vor das Bild. Aber, o Gott! was war das, was er da erblickte!

Nein, makellos und herrlich wie eine Braut stand das Werk des Künstlers vor ihm. Bescheiden, göttlich, unschuldig und einfach wie das Genie selbst, schien es hoch über allem zu schweben. Es war, als senkten die himmlischen Gestalten, verwundert über so viele auf sie gerichteten Blicke, schamhaft ihre herrlichen Wimpern. Mit einem Gefühl unwillkürlichen Staunens starrten die Eingeweihten die neue, nie gesehene Pinselführung an. Hier schien alles vereinigt zu sein: Die Schulung an Raffael, die sich in der hohen Vornehmheit der Haltung, und die an Corregio, die sich in der vollkommenen Technik verriet. Aber den gewaltigsten Eindruck machte die in der Seele des Künstlers wirkende Schöpferkraft. Jedes kleinste Detail des Gemäldes war von ihr durchdrungen; alles atmete eine strenge Gesetzmäßigkeit und innere Kraft; jedes Ding ließ jene wundervoll schwebende und fließende Rundung der Linien erkennen, die nur der Natur eigen ist und die nur das Auge des schaffenden Künstlers sieht, bei dem Nachahmer und Kopisten aber stets eckig und hart erscheint. Man fühlte ganz deutlich, wie der Künstler alles, was er der äußeren Welt entnommen, in sich, in seiner Seele verschlossen hatte, um es erst später aus dieser geistigen Quelle gleich einem harmonischen, feierlichen Liede hervorsprudeln zu lassen. Und sogar den Uneingeweihten wurde klar, was für ein unermeßlicher Abgrund zwischen einem Kunstwerk und einer einfachen Kopie der Natur gähnt. Es ist unmöglich, jene ungewöhnliche Stille zu schildern, die alle Anwesenden beobachteten, während sie ihre Augen auf das Bild gerichtet hatten. Kein Knistern, kein Laut störte die andächtige Stimmung. Die Wirkung des Bildes hatte sich inzwischen nur noch verstärkt. Strahlend und wie ein unbegreifliches Wunder löste es sich von allem Irdischen los, um sich schließlich ganz in einen Augenblick — die Frucht eines dem Künstler vom Himmel eingegebenen Gedankens — zu verwandeln, in einen Moment, dem das ganze menschliche Leben nur als Vorbereitung dient. Unwillkürlich wandelte die das Bild umringenden Beschauer das Bedürfnis zu weinen an; es schien, als hätten sich alle Kunstanschauungen, alle dreisten, regellosen und willkürlichen Abweichungen des Geschmacks hier zu einem wortlosen Hymnus auf das göttliche Werk vereinigt.

Unbeweglich, mit offenem Munde stand Tschartkow vor dem Bilde, und erst als schließlich doch eine kleine Bewegung durch die Reihen der Besucher und Autoritäten ging, als man sich laut über den Wert des Werkes zu unterhalten begann, als man sich schließlich auch an Tschartkow mit der Bitte wandte, sein Urteil abzugeben, kam er wieder zu sich, versuchte seine gewöhnliche gleichmütige Miene aufzusetzen und war eben im Begriff, ein paar Plattheiten zu äußern, wie man sie wohl von verknöcherten Routiniers zu hören bekommt. Er wollte schon sagen: „Hm, gewiß, man kann dem Maler ja nicht alles Talent absprechen; Talent hat er, das ist unleugbar. Man sieht, daß er etwas ausdrücken will. Was aber die Hauptsache betrifft,“ — und hierauf sollten natürlich einige lobende Worte folgen, die keinem Künstler gut bekommen wären. Aber er führte seine Absicht nicht aus, die Rede erstarb auf seinen Lippen, statt dessen drangen Tränen und Seufzer leidenschaftlich aus seiner Brust hervor, und wie ein Wahnsinniger lief er aus dem Saal.

Eine Minute lang stand er regungslos und wie versteinert mitten in seinem prächtigen Atelier, seine ganze Vergangenheit lebte einen Augenblick wieder in ihm auf, als wäre die Jugend zu ihm zurückgekehrt, und als wären die erloschenen Funken seines Talentes in ihm wieder aufgelodert. Die Binde fiel plötzlich von seinen Augen. Gott! wie hatte er die besten Jahre seiner Jugend so unbarmherzig zugrunde richten, die spärliche Flamme, die vielleicht auch in seiner Brust gebrannt hatte, und die sich vielleicht jetzt groß und herrlich entfaltet und vielleicht ebenfalls Tränen des Staunens und der Dankbarkeit entlockt hätte, so plump ersticken können. Wie hatte er sie in sich ertöten, erbarmungslos vernichten können! Es schien, als wären in diesem Augenblicke plötzlich alles Streben und alle Leidenschaften in seiner Seele erwacht, alle Gefühle, die auch sie einmal gekannt hatte ... Er ergriff den Pinsel und trat vor die Leinwand. Ein kalter Schweiß bedeckte seine Stirn; er verwandelte sich völlig in einen einzigen Wunsch und war ganz von einem Gedanken beseelt. Er wollte den gefallenen Engel darstellen. Diese Vorstellung stimmte am besten mit seinem Seelenzustand überein, aber ach, alles was er begann: all seine Figuren, seine Posen, Gruppen und Ideen hatten etwas Gezwungenes und Wirres. Sein Pinsel und seine Phantasie wurden zu sehr von der Gewohnheit gehemmt, und der ohnmächtige Drang, die Schranken und Fesseln, die er sich selber auferlegt hatte, zu zerbrechen, verleitete ihn gleich zu Anfang zu Unrichtigkeiten und Fehlern. Er hatte die ermüdend lange Stufenleiter der nur allmählich zu erwerbenden Kenntnisse und der ersten Grundgesetze der großen zukünftigen Wissenschaft übersprungen. Ein heftiger Verdruß bemächtigte sich seiner, er ließ all’ seine letzten Schöpfungen: die seelenlosen Modebilder, die Porträts von Husarenoffizieren, vornehmen Damen und Staatsräten aus seinem Atelier entfernen, sperrte sich allein in sein Zimmer ein, befahl, niemand hereinzulassen und versenkte sich ganz in die Arbeit. Wie ein geduldiger Knabe, wie ein Schüler saß er an seinem Werk; aber ach, wie unbefriedigend und schwächlich war alles, was sein Pinsel schuf. Bei jedem neuen Schritt strauchelte er über die Unkenntnis der elementarsten Regeln; jedes kleinste, unbedeutendste Detail wirkte erkältend auf seinen Eifer und stellte sich seiner Phantasie als unüberbrückbares Hindernis entgegen. Der Pinsel wandte sich unwillkürlich wieder den alten versteinerten Formen zu, die Arme nahmen ihre gewohnte Haltung an, der Kopf wagte es nicht, sich eine ungewöhnliche Wendung zu gestatten; selbst der Faltenwurf des Kleides hatte etwas Schablonenhaftes, wollte sich ihm durchaus nicht fügen und sich nicht an die neue Körperstellung anpassen. Und Tschartkow fühlte es, fühlte es selbst und sah es mit eigenen Augen.

„Hatte ich denn wirklich einmal Talent? habe ich mich nicht selbst betrogen?“ Mit diesen Worten suchte er seine früheren Werke hervor, die er einst in so reiner Stimmung, so völlig frei von Habsucht und Geldgier in seiner ärmlichen Mansarde auf der abgelegenen Wassilij-Insel, fern von den Menschen geschaffen hatte; damals, als er noch nichts von Überfluß und all den raffinierten Genüssen der Großstadt wußte. Jetzt stand er wieder vor den alten Bildern, betrachtete sie aufmerksam, und sein ganzes früheres Leben voll Not und Entbehrung erstand wieder vor ihm. „Ja ...“ sagte er ganz verzweifelt, „ich hatte Talent! wohin ich auch blicke, überall entdecke ich deutliche Spuren davon!“