Der alte Mann begrüßte alle Anwesenden und wandte sich direkt an Chlobujew: „Entschuldigen Sie, aber ich sah von weitem, wie Sie in den Laden traten, und da entschloß ich mich, Ihnen nachzugehen und Ihre Zeit ein wenig in Anspruch zu nehmen. Wenn Sie nachher frei sind und an meinem Hause vorüberkommen, dann seien Sie doch so freundlich, einen Augenblick bei mir einzutreten. Ich habe mit Ihnen zu sprechen.“
Chlobujew versetzte: „Sehr gern, Afanassij Wassiljewitsch.“
Der alte Herr verabschiedete sich und ging hinaus. „Mir wirbelt’s förmlich im Kopfe,“ sagte Tschitschikow „wenn ich daran denke, daß dieser Mensch ganze zehn Millionen hat. Das ist einfach unmöglich!“
„Ja, das gehört sich in der Tat nicht,“ bemerkte Wyschnepokromow; „die Kapitale sollten nicht in der Hand Einzelner konzentriert sein. Das ist ein Gegenstand, über den in Europa sehr viel geschrieben wird. Wenn du Geld hast, mußt du es auch mit den andern teilen: mache Geschenke, gib Bälle, entwickele einen wohltätigen Luxus, bei dem die Arbeiter und Handwerker etwas verdienen.“
„Das kann ich gar nicht verstehen!“ wiederholte Tschitschikow. „Zehn Millionen! Und dabei lebt er wie ein gewöhnlicher Bauer! Hol’s der Teufel, was kann man nicht alles mit zehn Millionen anfangen! Da kann man ein Leben beginnen. Nur Fürsten und Generäle sollten bei mir verkehren!“
„Jawohl,“ bemerkte der Kaufmann, „das ist in der Tat keine gebildete Art. Wenn ein Kaufmann Ehrenbürger ist, dann ist er eben nicht mehr Kaufmann sondern gewissermaßen schon Negoziant. Dann muß ich mir auch eine Loge im Theater halten, und kann meine Tochter doch keinem einfachen Oberst mehr zur Frau geben. Nein, dann müßte schon mindestens ein General kommen, einem andern geb ich sie einfach nicht. Was ist mir ein Oberst? Und mein Essen bestellte ich beim Konditor und nicht bei einer gewöhnlichen Köchin ...“
„Da ist doch jedes Wort überflüssig!“ sagte Wyschnepokromow. „Mit zehn Millionen kann man vieles anfangen. Geben Sie mir nur die zehn Millionen, Sie sollen schon sehen, was ich damit beginne!“
„Nein,“ dachte Tschitschikow: „bei dir wären die zehn Millionen schlecht aufgehoben. Wenn ich dagegen ein solches Sümmchen hätte, ich wüßte sie in der Tat gut anzulegen.“
„Ja, wenn ich zehn Millionen besäße,“ dachte Chlobujew, „dann wäre ich nicht so töricht wie früher, ich würde sie nicht so sinnlos vergeuden. Nachdem man so schreckliche Erfahrungen gemacht hat, kennt man den Wert jeder Kopeke. Ja, jetzt würde ich es ganz anders anfangen ...“ Aber gleich darauf wurde er nachdenklich und legte sich innerlich die Frage vor: „Würde ich das Geld jetzt wirklich vernünftiger anlegen?“ dann machte er eine hoffnungslose Gebärde und fügte hinzu: „Kein Gedanke! Ich glaube, ich würde es ebenso ausgeben wie früher.“ Damit verließ er den Laden und begab sich zu Murasow, höchst gespannt darauf, was dieser ihm mitzuteilen habe.
„Ich erwartete Sie!“ sagte Murasow, als er Chlobujew eintreten sah. „Bitte, kommen Sie doch in mein Zimmer.“ Und er führte Chlobujew in das Stübchen, welches der Leser bereits kennen gelernt hat. Selbst ein Beamter, der jährlich nur 700 Rubel Gehalt bezieht, könnte in keinem schlichteren und unscheinbareren Stübchen hausen.