„Sagen Sie bitte, Ihre Verhältnisse haben sich doch gebessert? Ich glaube, Ihre Tante hat Ihnen etwas hinterlassen?“
„Was soll ich Ihnen sagen, Afanassij Wassiljewitsch? Ich weiß nicht, ob sich meine Verhältnisse wirklich gebessert haben. Ich habe bloß fünfzig Bauern und dreißigtausend Rubel geerbt; damit muß ich einen Teil meiner Schulden bezahlen, und dann behalte ich so gut wie nichts übrig. Was aber die Hauptsache ist, die Geschichte mit diesem Testament ist nicht ganz sauber. Es sind da allerhand Betrügereien vorgekommen, Afanassij Wassiljewitsch! Ich will Ihnen alles erzählen, Sie werden sich wundern, was für Dinge in der Welt passieren. Dieser Tschitschikow ...“
„Erlauben Sie, Peter Petrowitsch, bevor wir von diesem Tschitschikow reden, möchte ich zuerst von Ihnen selber sprechen. Sagen Sie mir bitte, wieviel Geld hätten Sie wohl nötig, um wieder in geordnete Verhältnisse hineinzukommen? Was denken Sie wohl?“
„Um meine Verhältnisse zu ordnen, und ein ganz bescheidenes Leben beginnen zu können — dazu brauche ich mindestens hunderttausend Rubel, wenn nicht noch mehr.“
„Nun und wenn Sie dieses Geld hätten, was würden Sie dann wohl anfangen?“
„Ich würde mir eine kleine Wohnung mieten und mich der Erziehung meiner Kinder widmen, ich kann doch nicht mehr in den Staatsdienst eintreten. Ich bin ja zu nichts mehr zu gebrauchen.“
„Warum sind Sie zu nichts zu gebrauchen?“
„Ja was könnte ich denn beginnen? Sagen Sie selbst, ich kann doch nicht wieder als Bureauschreiber anfangen. Sie vergessen, daß ich Familie habe. Ich bin schon über die Vierzig, leide an Kreuzschmerzen und bin träge und müde geworden. Und eine bessere Stelle werde ich doch nicht erhalten; dazu bin ich zu schlecht angeschrieben. Ich muß Ihnen übrigens gestehen, ich würde auch keine Stellung annehmen, wo es was zu verdienen gibt. Ich bin zwar ein schlechter Kerl und ein Spieler, aber Geldgeschenke würde ich nicht nehmen. Alles andre, nur nicht dies. Mit diesem Krasnonossow und Samosistow würde ich mich nicht vertragen.“
„Verzeihen Sie, aber ich kann trotzdem nicht begreifen, wie man leben kann, wenn man kein Ziel, wenn man keinen Weg vor Augen hat; man kann doch nicht weiterfahren, wenn man keinen Boden unter den Füßen hat; man kann doch das Wasser nicht ohne Kahn durchschiffen. Das Leben ist eben eine Reise. Entschuldigen Sie, Peter Petrowitsch, aber die Leute, von denen Sie da reden, haben doch wenigstens einen Weg vor sich, sie sind tätig und arbeiten zum mindesten. Freilich sind sie vom rechten Wege abgekommen, wie das uns sündigen Menschen wohl passieren kann; aber wir wollen hoffen, daß sie sich wieder zurecht finden werden. Wer nur vorwärts marschiert, — muß schließlich das Ziel erreichen, man braucht die Hoffnung nicht aufzugeben, daß er wieder auf den rechten Weg hinauskommt. Wie aber soll einer den Weg finden, der müßig dahinlebt. Der Weg kommt doch nicht selbst zu uns.“
„Glauben Sie mir, Afanassij Wassiljewitsch, ich fühle, wie recht Sie haben .... aber ich sage Ihnen, in mir ist jeder Trieb zur Tätigkeit erstorben. Ich sehe nicht, daß ich noch jemandem in der Welt von Nutzen sein könnte. Ich fühle, ich bin nichts wie ein unnützer Holzklotz. Früher, als ich noch jünger war, da schien es mir, daß alles vom Gelde abhänge, daß, wenn ich bloß ein paar Hunderttausende in der Hand hätte, ich alle Menschen glücklich machen könnte. Ich wollte arme Künstler unterstützen, Bibliotheken einrichten, allerhand nützliche Institutionen gründen und Sammlungen anlegen. Ich bin nicht ohne Geschmack und weiß, daß ich das Geld besser zu verwenden wüßte, als die meisten reichen Leute, die nichts Vernünftiges zuwege bringen. Jetzt sehe ich jedoch, daß auch dies eitel ist und wenig Wert hat. Nein, Afanassij Wassiljewitsch, ich tauge nichts mehr, gar nichts mehr, das können Sie mir glauben. Ich bin zu nichts mehr fähig.“