„Ja, wenn mir aber doch meine Nase wirklich abhanden gekommen ist!“

„Wenn sie Ihnen abhanden gekommen ist, so ist das Sache des Arztes. Man sagt, es gibt Menschen, die Ihnen Nasen von beliebiger Form ansetzen können. Übrigens scheinen Sie mir ein Schalk zu sein, Sie machen wohl gern einen Scherz.“

„Ich schwöre Ihnen bei allem was mir heilig ist. Bei Gott ich lüge nicht! Soll ich es Ihnen zeigen?“

„Aber ich bitte Sie, warum wollen Sie sich unnütz bemühen,“ fuhr der Beamte fort, indem er eine Prise nahm. „Übrigens, wenn es Ihnen nicht zu viel Umstände macht, so würde ich mir die Sache doch ganz gern ansehen,“ fügte er mit einem neugierigen Blick hinzu.

Der Kollegien-Assessor zog das Taschentuch weg.

„In der Tat, das ist sehr merkwürdig,“ sagte der Beamte, „das sieht genau so aus, wie ein frisch gebackener Eierkuchen. Die Fläche ist ja geradezu unglaublich glatt und eben.“

„Nun, was sagen Sie jetzt! Also bitte lassen Sie die Annonce sofort einrücken.“

„Ich könnte sie schließlich einrücken lassen. Das wäre ja eine Kleinigkeit, nur kann ich nicht sehen, daß Ihnen ein großer Vorteil daraus erwachsen würde. Wenn Sie es durchaus wünschen, daß die Sache bekannt wird, so teilen Sie die Geschichte doch einem Schriftsteller mit, einem Mann, der eine gewandte Feder führt, der könnte den Fall als ein interessantes Naturspiel beschreiben und den Artikel in der „Biene des Nordens“ veröffentlichen, (hier nahm er wieder eine Prise) zum Nutzen und zur Belehrung aller jungen Leute, die sich mit den Wissenschaften beschäftigen (hierbei wischte er sich die Nase ab), oder überhaupt zur Unterhaltung und zur allgemeinen Erbauung.“

Der Kollegien-Assessor war völlig verzweifelt und niedergeschlagen. Er warf einen Blick auf ein vor ihm liegendes Zeitungsblatt und den Vergnügungsanzeiger; schon wollte ein Lächeln sein Gesicht verklären, als er den Namen einer hübschen Schauspielerin las, und seine Hand griff mechanisch nach der Tasche — sie suchte nach einem blauen Schein, denn nach Kowalews Ansicht mußten Personen vom Range eines Stabsoffiziers mindestens im Parkett sitzen. Aber der Gedanke an seine Nase schnitt wie ein scharfes Messer in sein Herz. Der arme Kowalew machte sich also auf und begab sich von einem unerträglichen Schmerz gequält zum Polizeikommissar, der ein großer Freund von Süßigkeiten war; sein ganzer Flur und sein ganzes Eßzimmer war mit Zuckerhüten vollgestellt, die ihm die Kaufleute aus einer besonderen Freundschaft für ihn verehrt hatten. Die Köchin zog dem Polizeibeamten gerade seine großen Stulpenstiefel aus, sein Degen und seine ganze Kriegsrüstung hingen schon friedlich in der Ecke; sein dreijähriges Söhnchen machte sich bereits mit dem mächtigen Dreimaster zu schaffen, und der Kommissar war eben im Begriff, sich nach den Strapazen des kriegerischen Lebens den Genüssen des Friedens hinzugeben. Da trat Kowalew bei ihm ein, gerad als jener sich bequem auf dem Sofa ausstrecken wollte, seinen Mund zu einem kräftigen Gähnen verzog und sagte: „So, nun leg’ ich mich auf zwei Stunden hin; ich werde ein feines Schläfchen tun.“ Daher kann man sich vorstellen, wie ungelegen ihm der Besuch des Kollegien-Assessors kam, und ich weiß nicht, ob er, auch wenn er ihm einige Pfund Tee oder ein paar Meter Tuch mitgebracht hätte, viel freundlicher empfangen worden wäre. Der Kommissar war ein großer Freund der Künste und aller Manufakturgegenstände überhaupt, trotzdem er oft behauptete, es gäbe nichts Angenehmeres als eine Staatsbanknote: „Sie braucht nur wenig Platz, läßt sich bequem in die Tasche stecken, und wenn man sie fallen läßt, geht sie nicht entzwei.“

Der Polizeikommissar empfing Kowalew ziemlich kühl und trocken. Er erklärte, daß die Zeit nach dem Essen nicht der geeignete Moment für amtliche Nachforschungen sei; die Natur selbst weise darauf hin, daß der Mensch, wenn er sich satt gegessen habe, der Ruhe pflegen müsse, (woraus deutlich hervorgeht, daß der Polizeikommissar ein Philosoph war); einem anständigen Menschen könne es nie passieren, daß ihm die Nase abgerissen werde, und es laufen in der Welt genug Majore herum, die nicht einmal ihre Unterhosen sauber zu halten wissen, und sich in allerhand unanständigen Lokalen herumtreiben.