Unterdessen rollte der Wagen schon den Berg hinab. Und wiederum sah man nichts als Wiesen und weite mit Espen-Waldungen bepflanzte Flächen.

Leicht federnd glitt das bequeme Gefährt vorsichtig die kaum merkliche Neigung des Berghanges hinab; dann ging es weiter an Wiesen, Feldern und Windmühlen vorbei; donnernd rollte der Wagen über die Brücken und tanzte mit Schwanken über das weiche, holprige Erdreich. Doch auch nicht ein Hügel, noch eine einzige Unebenheit der Straße beunruhigten die weichen Partieen unseres Reisenden auch nur im geringsten. Das war die reinste Wonne und keine Equipage.

Weidenbüsche, dünne Erlen und Silberpappeln flogen rasch an ihnen vorbei und streiften die beiden auf dem Bocke sitzenden Leibeigenen Seliphan und Petruschka beständig mit ihren Zweigen. Dem letzteren rissen sie sogar mehrmals die Mütze vom Kopf. Der gestrenge Lakai sprang in einem fort vom Bock herab, schalt auf die dummen Bäume und auf den, der sie gepflanzt hatte, aber er konnte sich trotzdem nicht entschließen, seine Mütze anzubinden, oder sie mit der Hand festzuhalten, denn er hoffte, dies sei das letzte Mal gewesen und es werde ihm nun nicht wieder passieren. Bald gesellten sich noch Birken und hie und da eine Tanne zu den Bäumen. Die Wurzeln waren dicht mit Gras bedeckt, auf dem blaue Schwertlilien und gelbe Waldtulpen wuchsen. Der Wald wurde immer dunkeler und drohte die Reisenden in undurchdringliche Nacht einzuhüllen. Da blitzte plötzlich von allen Seiten zwischen Ästen und Baumstämmen ein heller Lichtschimmer, gleich einem leuchtenden Spiegelreflexe auf. Die Bäume traten auseinander, die glänzende Fläche wurde immer größer ... vor ihnen lag ein See — ein mächtiger Wasserspiegel von etwa vier Werst in die Breite. Auf dem gegenüberliegenden Ufer tauchten mehrere kleine Blockhütten auf. Dies war das Dorf. Aus den Fluten drangen laute Schreie und Rufe hervor. Etwa zwanzig Mann bis an den Gürtel, bis zu den Schultern oder bis zum Halse im Wasser stehend, waren damit beschäftigt, ein Netz ans Ufer zu ziehen. Dabei war ihnen ein Unfall passiert. Zugleich mit den Fischen war ihnen ein wohlbeleibter Mann ins Netz geraten, der ungefähr ebenso breit als lang war, und aussah wie eine Wassermelone oder wie ein Faß. Seine Lage war eine verzweifelte und er schrie aus voller Kehle: „Dionys, du Klotz! gib es doch dem Kosma! Kosma nimm doch dem Dionys das Tauende aus der Hand. Stoß doch nicht so, du großer Thomas, komm stell dich hierher, wo der kleine Thomas steht. Teufel! Ich sag’s euch, ihr werdet noch das Netz zerreißen.“ Offenbar fürchtete sich die Wassermelone nicht für ihre Person: ertrinken konnte sie nicht, dazu war sie zu dick, sie mochte die tollsten Purzelbäume schlagen, um unterzutauchen, das Wasser trug sie immer wieder empor; ja es hätten sich ihr ruhig noch zwei Personen auf den Rücken setzen können, sie hätte sie dennoch über Wasser gehalten wie eine eigensinnige Schweinsblase und höchstens ein wenig gestöhnt und mit der Nase Blasen ausgepustet. Aber der Mann hatte große Angst, das Netz könne reißen und die Fische könnten entschlüpfen, und daher mußten ihn mehrere Menschen zugleich mit dem Netz an Stricken ans Ufer ziehen.

„Das ist wohl der Gutsherr, der Oberst Koschkarjow,“ sagte Seliphan.

„Warum?“

„Sehen Sie doch bloß, was er für einen Körper hat. Der ist viel weißer als bei den andern, und auch sein Umfang ist beträchtlich, wie sich’s für einen vornehmen Herrn schickt.“

Unterdessen hatte man den im Netz gefangenen Gutsherrn schon bedeutend näher ans Ufer herangezogen. Als er wieder Boden unter seinen Füßen fühlte, richtete er sich auf, und bemerkte in demselben Augenblick die den Fahrdamm herabrollende Equipage nebst ihrem Insassen Tschitschikow.

„Haben Sie schon zu Mittag gegessen?“ rief der Herr ihm entgegen, indem er mit den gefangenen Fischen in der Hand ans Ufer trat. Er steckte noch ganz im Netze drin, etwa wie zur Sommerzeit ein Damenhändchen in einem durchbrochenen Handschuh, hielt die eine Hand wie einen Schirm über die Augen, um sich gegen die Sonne zu schützen und die andre etwas tiefer unten, ungefähr in der Stellung der Mediceischen Venus, die eben dem Bade entsteigt.

„Nein,“ versetzte Tschitschikow, nahm die Mütze ab und grüßte verbindlichst aus der Kutsche.

„Nun dann danken Sie ihrem Schöpfer!“