„Man ärgert sich beinahe, wenn man Sie sprechen hört. Warum sind Sie immer so guter Laune?“
„Warum sollte ich denn Trübsal blasen? Ich bitte Sie!“ sagte der Hausherr.
„Wie? Warum? — Weil es traurig und langweilig auf der Welt ist.“
„Sie essen nicht genug, das ist alles. Suchen Sie sich einmal ordentlich satt zu essen. Das ist auch so eine moderne Erfindung dieser Trübsinn und diese Melancholie. Früher war man nie melancholisch.“
„Niemals! Ich weiß auch gar nicht, wo ich die Zeit dazu hernehmen soll. Am Morgen — da schläft man, kaum hat man die Augen aufgemacht, so steht schon der Koch vor einem, und man muß das Menu für das Mittagessen zusammenstellen, dann trinkt man Tee, fertigt den Verwalter ab, geht fischen und eh man sich’s versieht, ist es schon Zeit zum Mittagessen. Nach dem Mittagessen kommt man kaum dazu ein Schläfchen zu tun, denn schon wieder ist der Koch da, und man muß das Abendbrot bestellen, nach dem Abendbrot kommt wieder der Koch, und man muß wieder ans Mittagessen für morgen denken. Wo hat man da Zeit zum Trübsinn?“
Während beide sich unterhielten, betrachtete Tschitschikow den neuen Ankömmling, der ihn durch seine außergewöhnliche Schönheit, seine schlanke, wohlgebaute Gestalt, die Frische einer noch unverbrauchten Jugendkraft und die jungfräuliche Reinheit seines von keinem Pickel verunzierten Teints in Erstaunen setzte. Weder Leidenschaft noch Schmerz, noch selbst etwas, was auch nur eine entfernte Ähnlichkeit mit einer Gemütsbewegung oder Unruhe hatte, hatten je sein jugendlich reines Antlitz berührt oder eine Falte in die ruhige Fläche eingegraben, aber freilich hätten sie sie auch nicht beleben können. Sein Gesicht behielt stets etwas Schläfriges, trotz des ironischen Lächelns, das es bisweilen erheiterte.
„Auch ich kann, wenn Sie mir die Bemerkung gestatten, nicht recht verstehen, wie man mit einem solchen Gesicht, wie das Ihrige traurig sein kann!“ sagte Tschitschikow. „Wenn man natürlich an Geldmangel leidet, oder Feinde hat, ... es gibt ja immer Menschen, die einem nachstellen und sogar nach dem Leben trachten ...“
„Glauben Sie mir,“ unterbrach ihn der schöne Gast, „glauben Sie mir, daß ich mich der Abwechselung halber mitunter sogar nach irgend einer kleinen Aufregung sehne? Wenn mich doch jemand ein bißchen ärgern wollte, oder etwas derartiges — aber nicht einmal das passiert einem. Das Leben ist bloß langweilig — das ist alles.“
„Dann haben Sie wohl nicht genug Land oder vielleicht zu wenig Bauern.“
„Durchaus nicht. Mein Bruder und ich haben zusammen etwa zehntausend Acker und über tausend Seelen.“