„In der Kirche war auch kein Platz mehr, da kam der Polizeimeister und sieh da, es fand sich doch noch ein Plätzchen. Dabei war ein solches Gedränge, daß kein Apfel zu Boden fallen konnte. Kosten Sie nur: dieses Stückchen — das ist auch ein Polizeimeister.“
Tschitschikow kostete, und in der Tat — das Stück hatte große Ähnlichkeit mit dem Polizeimeister, es fand sich richtig noch ein Platz, und doch schien sein Magen schon bis oben voll zu sein.
„So ein Mensch darf nicht nach Petersburg oder Moskau fahren. Bei seiner Freigiebigkeit hat er in drei Jahren keinen Heller mehr!“ Er wußte noch nicht, daß man heute darin schon viel weiter ist: auch ohne allzu gastfrei zu sein, kann man dort sein Vermögen in drei Jahren — was sage ich in drei Jahren! — in drei Monaten durchbringen.
Unterdessen füllte der Hausherr die Gläser unentwegt nach; was die Gäste stehen ließen, das durften Alexascha und Nikolascha austrinken, die ein Glas nach dem andern hinter die Binde gossen; man konnte schon hier sehen, welches Gebiet menschlichen Wissens sie bei ihrer Ankunft in der Hauptstadt besonders pflegen würden. Die Gäste wußten kaum, wie ihnen geschah; sie schleppten sich nur mit Mühe auf den Balkon hinaus, um hier sogleich in einem Lehnstuhl zu sinken. Der Hausherr aber hatte kaum in dem seinen Platz genommen, als er sofort zurücksank und einschlief. Sein wohlbeleibtes Ich verwandelte sich in einen großen Blasebalg und ließ dem offenen Mund und den Nasenlöchern solche Töne entströmen, wie sie selbst unseren modernen Komponisten selten einzufallen pflegen: hier mischten sich Trommelwirbel mit Flötenklängen und kurzen abgebrochenen Lauten, die am meisten Ähnlichkeit mit Hundegebell hatten.
„Hören Sie, wie der pfeift?“ sagte Platonow.
Tschitschikow mußte lachen.
„Freilich; wenn man so ein Mittagessen hinter sich hat, woher soll da die Langeweile kommen? Da übermannt einen der Schlaf — nicht wahr? Ja. Sie entschuldigen doch, aber ich kann wirklich nicht verstehen, wie man schlechter Laune sein kann: dagegen gibt es doch so viele Mittel.“
„Und die wären?“
„Was kann ein junger Mann nicht alles anfangen? Tanzen, musizieren ... irgend ein Instrument spielen ... oder ... warum sollte er zum Beispiel nicht heiraten?“
„Wen nur?“