Er traf den Obersten vor einem Stehpult mit der Feder in den Zähnen. Der Oberst empfing Tschitschikow außerordentlich freundlich. Er machte den Eindruck eines äußerst gutmütigen und höflichen Menschen; sofort fing er an davon zu erzählen, wieviel Mühe es ihn gekostet habe, sein Gut auf die Höhe zu bringen, auf der es sich jetzt befindet; er beklagte sich schmerzlich darüber, wie schwer es sei, den Bauern begreiflich zu machen, was die „höheren Antriebe“ sind, die der Mensch nur aus einem vernunftgemäßen Luxus, aus der Beschäftigung mit Wissenschaften und Künsten gewinnt; daß es ihm noch immer nicht gelungen sei, die Bäuerinnen zu veranlassen, doch ein Korsett anzulegen, während er in Deutschland, wo er 1814 mit seinem Regiment gestanden, die Tochter eines einfachen Bauern kennen gelernt habe, die Klavier spielen konnte; dennoch aber werde er den Trotz der Unwissenheit und Unbildung brechen, und es bestimmt erreichen, daß seine Bauern Bücher lesen, während sie hinter dem Pfluge hergehen und sich auf diese Weise über den Franklinschen Blitzableiter, die Georgien Virgils und die chemische Analyse des Bodens unterrichten.
„Daß du dich nur nicht täuschst!“ dachte Tschitschikow. „Denken Sie bloß, ich habe die „Gräfin Laveillère“ bis heute noch nicht gelesen. Ich kann immer keine Zeit dazu finden.“
Der Oberst sprach noch lange darüber, wie man die Menschen wohlhabend und glücklich machen könne. Eine besondere große Bedeutung legte er der Kleidung bei: er setzte seinen Kopf dafür ein, daß, wenn nur die Hälfte aller russischen Bauern Hosen nach deutschem Schnitt anziehen wollte, die Wissenschaften emporblühen, der Handel sich heben und das goldene Zeitalter für Rußland anbrechen würde.
Tschitschikow sah ihm aufmerksam ins Gesicht, hörte ihn ruhig an und sagte schließlich zu sich selbst: „Ich glaube, mit dem brauche ich mich nicht zu genieren;“ und er erklärte sofort, er habe tote Seelen nötig, zuvor aber müsse ein Kaufvertrag abgeschlossen werden und dazu bedürfe es der und der Formalitäten.
„Soweit ich aus Ihren Worten ersehen kann,“ sagte der Oberst, ohne auch nur im geringsten in Verlegenheit zu geraten, „ist das ein Gesuch, das Sie an mich richten! Nicht wahr?“
„Sehr richtig.“
„Dann haben Sie wohl die Güte, es schriftlich zu formulieren. Das Gesuch muß nämlich erst ins „Bureau für Berichte und Anzeigen“, dort wird es signiert, und erst dann kommt es in meine Hände; ich gebe es hierauf an das Komitee für Gemeindeangelegenheiten weiter, von dort geht es an den Verwalter, der Erhebungen anstellen wird, und der Verwalter läßt es endlich zusammen mit dem Sekretär ...“
„Ich bitte Sie!“ sprach Tschitschikow, „auf diese Weise wird sich ja die Sache furchtbar in die Länge ziehen. Ein solcher Gegenstand läßt sich doch nicht schriftlich behandeln. Das ist ja so eine delikate ... Angelegenheit, die ... Die Seelen sind doch gewissermaßen ... schon tot ...“
„Sehr gut. Dann schreiben Sie doch einfach, daß die Seelen gewissermaßen schon tot sind.“
„Nein bitte, wie kann ich das? So etwas kann man doch nicht niederschreiben. Wenn sie auch wirklich tot sind, so soll es doch den Anschein haben, als ob sie noch leben ...“