„Wenn man Ihnen zuhört, verehrter Konstantin Fjodorowitsch, dann beginnt man gewissermaßen den Sinn des Lebens zu verstehen, man erfaßt sozusagen den Kern der Sache. Aber gestatten Sie mir, einen Augenblick diese allgemeinmenschlichen Dinge beiseite zu lassen, und Ihre Aufmerksamkeit auf eine Privatangelegenheit zu richten. Nehmen wir einmal an, ich wäre Gutsbesitzer geworden, und hätte die Absicht, in kürzester Zeit zu Reichtum und Wohlstand zu gelangen, um damit sozusagen eine ernste Bürgerpflicht zu erfüllen, — wie sollte ich das wohl anfangen?“
„Wie man es anfangen soll, um reich zu werden?“ fiel Kostanshoglo ein: „Ganz einfach: ...“
„Das Abendessen ist fertig,“ sagte die Hausfrau, indem sie sich vom Sofa erhob; sie ging in die Mitte des Zimmers und hüllte ihren jungen Körper zitternd in ihr Tuch.
Tschitschikow sprang beinahe mit der Gewandtheit eines Militärs vom Stuhle auf, hielt ihr höflich den Arm hin und führte sie feierlich durch zwei Zimmer hindurch bis in den Speisesaal, wo schon die offene Suppenterrine auf dem Tische stand und einen angenehmen würzigen Duft von frischen Wurzeln und Frühlingskräutern verbreitete. Alle Anwesenden nahmen Platz. Die Bedienten setzten die Speisen in zugedeckten Schüsseln nebst allem Zubehör rasch und sicher auf den Tisch nieder und entfernten sich. Kostanshoglo liebte es nicht, daß die Dienstboten mit anhörten, was bei Tische gesprochen wurde, oder daß sie ihm in den Mund sahen, während er aß.
Nachdem Tschitschikow mit der Suppe fertig war und ein Gläschen von einem ganz vorzüglichen Getränk, das wie Ungarwein schmeckte, geleert hatte, wandte er sich abermals an den Hausherrn: „darf ich noch einmal auf den Gegenstand unseres soeben unterbrochenen Gesprächs zurückkommen, Verehrtester. Ich wollte Sie fragen, wie man es anfangen, was man tun muß, wie man sich verhalten soll ...“[4]
.... „Selbst wenn er vierzigtausend für sein Gut verlangen sollte, würde ich sie ihm an Ihrer Stelle sofort auf den Tisch legen.“
„Hm!“ Tschitschikow wurde nachdenklich. „Und warum kaufen Sie es denn nicht selber?“ sagte er dann mit einer gewissen Schüchternheit.
„Alles hat seine Grenze. Ich habe schon mit meinen Gütern genug zu tun. Und dann schreien unsere Adeligen ohnedies schon, daß ich mir ihre verzweifelte Lage zunutze mache und ihre Ländereien für einen Spottpreis aufkaufe. Das habe ich bald satt.“
„Daß doch die Menschen immer schlecht von einem reden müssen!“ sagte Tschitschikow.