Am folgenden Tage ging alles, wie es sich nicht besser wünschen ließ. Kostanshoglo schoß Tschitschikow bereitwilligst zehntausend Rubel vor, ohne Zinsen oder eine Bürgschaft zu verlangen; dieser mußte ihm bloß eine gewöhnliche Quittung ausstellen: so gern half er jedem, der sich Besitz und Wohlstand erwerben wollte. Aber mehr noch; er erbot sich, Tschitschikow persönlich zu Chlobujew zu begleiten, um das Gut mit ihm zusammen in Augenschein zu nehmen. Tschitschikow war in der besten Laune. Nach einem reichlichen Frühstück machten sich alle auf den Weg, nachdem alle drei in Pawel Iwanowitschs Wagen Platz genommen hatten: die leeren Kutschen des Hausherrn folgten ihnen in einiger Entfernung nach. Jarb lief voraus und scheuchte die Vögel am Wege. Fünfzehn Werst lang sah man auf beiden Seiten nichts als Wälder und Ackerland, das zu Kostanshoglos Gute gehörte. Sowie aber dieses zu Ende war, änderte sich das Bild ganz plötzlich; das Korn stand niedrig, und statt der Wälder erblickte man überall nichts als Baumstümpfe. Trotz der hübschen Lage merkte man es dem Nachbargut an, daß es schon lange Zeit vernachlässigt worden war. Zuerst kam man an einem neuen steinernen Hause vorüber, das aber unbewohnt war, denn es war noch nicht vollendet; auf dieses folgte ein zweites bewohntes, das dem Gutsherrn gehörte. Die Gäste fanden den Gutsherrn noch ungekämmt und verschlafen; er war nämlich erst vor kurzem aufgestanden. Er mochte etwa vierzig Jahre alt sein; sein Halstuch saß schief, sein Rock war geflickt, und der eine Stiefel hatte ein Loch.
Er war hocherfreut über die Ankunft der Gäste, als ob Gott weiß was geschehen wäre: man hätte glauben können, er sähe seine Brüder nach langer Trennung zum ersten Male wieder.
„Konstantin Fjodorowitsch! Platon Michailowitsch! Nein solch eine Freude. Ich muß mir wirklich die Augen reiben! Ich dachte schon, zu mir kommt keiner mehr. Jeder geht mir aus dem Wege, wie der Pest: alle Leute denken, ich will sie um Geld anbetteln. Ja, ja, Konstantin Fjodorowitsch. Das Leben ist schwer. Ich sehe — ich bin selbst schuld an allem. Aber, was soll ich tun? Ich lebe wie ein Schwein. Verzeihen Sie bitte, meine Herren, daß ich Sie in einem solchen Kostüm empfange: Sie sehen, meine Stiefel sind durchlöchert. Was darf ich Ihnen vorsetzen?“
„Bitte, ganz ohne Umstände! Wir wollen ein Geschäft mit Ihnen machen. Hier haben Sie einen Käufer für Ihr Gut; Pawel Iwanowitsch Tschitschikow,“ sagte Kostanshoglo.
„Ich freue mich von Herzen, Ihre Bekanntschaft zu machen. Bitte, lassen Sie mich Ihre Hand drücken!“
Tschitschikow reichte ihm beide Hände.
„Ich würde Ihnen gern mein Gut zeigen, verehrtester Pawel Iwanowitsch, es ist sehr interessant ... Aber darf ich zuvor fragen, meine Herren, ob Sie auch gegessen haben?“
„Freilich haben wir gegessen,“ versetzte Kostanshoglo, der ihn möglichst schnell los sein wollte. „Wir wollen keine Zeit verlieren und das Gut gleich jetzt besichtigen.“
„Gut, dann wollen wir gehen.“ Chlobujew nahm seine Mütze in die Hand. „Kommen Sie, Sie sollen selbst sehen, wie unordentlich und liederlich ich bin.“
Die Gäste setzten ihre Hüte auf und schritten die Dorfstraße hinab.