„Nehmen Sie doch irgend eine Stellung an.“

„Ich habe ja keinen Rang und keine Titel. Was kann ich für eine Stellung annehmen? Ich kann höchstens einen ganz unbedeutenden Posten erhalten. Und was soll ich mit einem Gehalt von fünfhundert Rubeln anfangen? Ich habe doch eine Frau und fünf Kinder.“

„Nehmen Sie doch eine Stellung als Verwalter auf einem Gute an.“

„Wer wird mir denn sein Gut anvertrauen, wo ich selbst alles durchgebracht habe!“

„Ja aber man muß doch etwas unternehmen, wenn man vor dem Hungertode steht. Ich will meinen Bruder fragen, ob er Ihnen nicht durch irgend einen Bekannten eine Stelle in der Stadt verschaffen kann.“

„Nein, Platon Michailowitsch,“ sagte Chlobujew seufzend und drückte Platonow kräftig die Hand. „Ich tauge doch zu nichts mehr! Ich bin vorzeitig alt geworden, und leide an Kreuzschmerzen und an Rheumatismus. Das sind die alten Sünden! Was kann ich denn leisten? Wozu soll ich den Staat plündern? Es gibt jetzt ohnedies genug Leute, die nur deshalb in den Staatsdienst treten, weil sie ein warmes Plätzchen haben wollen. Gott behüte! Ich will nicht, daß den armen Leuten noch neue Steuern aufgehalst werden, damit ich nur mein Gehalt ausbezahlt bekomme!“

„Das sind die Folgen seiner ausschweifenden Lebensweise!“ dachte Platonow. „Das ist noch schlimmer als meine Lethargie.“

Während sie so sprachen, ging Kostanshoglo mit Tschitschikow hinter ihnen her; er war ganz außer sich vor Wut.

„Da, sehen Sie,“ sagte er, indem er mit dem Finger auf das Dorf wies: „was er aus den Bauern gemacht hat! Dieses Elend! Nicht mal Pferd und Wagen haben sie mehr. Wenn eine Viehseuche im Lande ausbricht, — dann darf man nicht mehr an sein eigenes Hab und Gut denken: da verkauft man eben alles und schafft neues Vieh für den Bauer an, damit er auch nicht einen Tag ohne die notwendigen Arbeitswerkzeuge bleibt. Aber das da läßt sich nicht so schnell wieder gut machen. Dazu braucht man viele Jahre. Der Bauer ist ja auch schon ganz verändert, er bummelt und säuft. Wenn man ihn nur ein einziges Jahr lang ohne Arbeit sitzen läßt, dann hat man ihn für alle Zeiten verdorben: er gewöhnt sich daran, in Lumpen herumzulaufen und findet Geschmack am Vagabundenleben ... Und sehen Sie einmal das Land an. Nun was sagen Sie,“ fuhr er fort, indem er auf die Wiesen deutete, die gleich hinter den Hütten sichtbar wurden. „Alles Land, das jedes Frühjahr überschwemmt ist. Ich würde da Flachs säen, der mir allein fünftausend Rubel einbringen würde, und dann würde ich Rüben pflanzen, die mir noch einmal viertausend eintragen müßten ... Sehen Sie sich bloß einmal den Roggen dort am Abhange an; da hat einer ein paar Körner verschüttet. Denn er hat ja doch kein Korn gesät — das weiß ich. Und dort — diese Schlucht! Da würde ich einen Wald anlegen. Die Stämme sollten mir bald bis an den Himmel reichen. Und so einen Schatz, so ein herrliches Stück Land läßt er brach liegen! Wenn man schon keinen Pflug hat, um es zu pflügen, dann nimmt man den Spaten, gräbt es um und pflanzt Gemüse darauf. Das gäbe einen prächtigen Gemüsegarten! Aber man muß den Spaten selbst in die Hand nehmen, muß Frau und Kinder und alle Dienstboten zu Hilfe nehmen, und arbeiten bis man hinfällt! Und wenn man schließlich selbst dabei zugrunde geht, dann hat man doch wenigstens seine verfluchte Pflicht und Schuldigkeit getan, und ist doch nicht krepiert wie ein Schwein, weil man sich bei Tisch zu voll gefressen hat!“ Hier spuckte Kostanshoglo zornig aus und eine finstere Wolke umschattete seine Stirn.

Als sie sich dem Abhang näherten und in die mit wildem Beifuß bewachsene Schlucht hinabsahen, da leuchtete plötzlich eine Windung des Flusses hell auf, hinter ihm erhob sich ein dunkler Gebirgszug, und ein Teil vom Hause des Generals Betrischtschew, das in der Perspektive viel näher erschien, tauchte aus dem Gebüsch auf. Dahinter bemerkte man einen lockigen, mit Wald bewachsenen Berg, der in der Entfernung bläulich flimmerte. Dieser Berg brachte Tschitschikow auf den Gedanken, das könnte wohl das Gut Tentennikows sein, und er sagte, „wenn man hier einen Wald anpflanzen würde, — dann gäbe es einen Anblick, der sich, was Schönheit anbelangt, ruhig mit ....“