Platonow wurde verlegen. „Kaufen Sie es nur, Pawel Iwanowitsch,“ sagte er. „Für so ein Gut kann man schon eine solche Summe bezahlen. Wenn Sie keine fünfunddreißigtausend dafür geben wollen, dann kaufen wir es, mein Bruder und ich.“
„Also gut, ich bin einverstanden,“ sagte Tschitschikow ganz erschrocken. „Nur eins; ich kann die Hälfte der Summe erst nach einem Jahr bezahlen.“
„Nein, Pawel Iwanowitsch! Darauf kann ich mich leider in keinem Fall einlassen; Sie müssen mir gleich jetzt die Hälfte geben, und die andre in spätestens zwei Wochen. Die Bank würde mir ja dies Geld auszahlen, wenn ich nur soviel hätte, um ...“
„Ja, wie denn nur? Ich weiß wirklich nicht,“ sagte Tschitschikow, „ich habe ja überhaupt nur zehntausend Rubel flüssig.“ Er log. Wenn man das von Kostanshoglo entliehene Geld hinzurechnete, verfügte er im ganzen über zwanzigtausend Rubel. Aber man entschließt sich bekanntlich nicht leicht, eine so große Summe auf den Tisch zu legen.
„Nein; ich bitte Sie, Pawel Iwanowitsch. Ich versichere Ihnen, ich brauche unbedingt fünfzehntausend.“
„Ich will Ihnen fünftausend Rubel leihen,“ unterbrach ihn Platonow.
„Unter diesen Umständen könnte ich’s vielleicht wagen!“ sagte Tschitschikow und dachte sich: „Hm, das trifft sich aber gut, daß er mir was leihen will.“ Er ließ sich seine Schatulle aus dem Wagen bringen und nahm sofort die für Chlobujew bestimmten zehntausend Rubel heraus; die übrigen fünftausend versprach er ihm morgen mitzubringen; wohl gemerkt, er versprach es nur, in Wahrheit wollte er ihm nur dreitausend geben, den Rest dachte er ihm später nach zwei oder drei Tagen auszuhändigen; wenn es ging, wollte er ihn jedoch noch länger warten lassen. Pawel Iwanowitsch wurde es ganz besonders schwer, sich von seinem Gelde zu trennen. Wenn es aber unbedingt notwendig war, so schien es ihm immer noch besser, das Geld wenigstens einen Tag später, als verabredet, auszuzahlen. Das heißt, eigentlich machte er es genau so, wie wir alle. Es macht uns doch allen Spaß, unseren Schuldner etwas warten zu lassen: mag er sich doch seine Absätze ablaufen und eine Weile im Vorzimmer sitzen! Als ob er wirklich durchaus nicht mehr warten könnte! Was geht es uns an, daß ihm vielleicht jede Stunde teuer ist, und daß seine Geschäfte darunter leiden! „Kommen Sie nur morgen wieder, Verehrtester, heute habe ich leider keine Zeit!“
„Und wohin wollen Sie ziehen, wenn das Gut verkauft ist?“ fragte Platonow Chlobujew. „Haben Sie denn noch ein andres Gütchen?“
„Nein, ich muß schon in die Stadt übersiedeln, dort habe ich ein eigenes Häuschen. Ich hätte das ja auch ohnedies machen müssen: wenn nicht für mich, so um meiner Kinder willen: sie müssen doch was lernen, ich muß ihnen einen Religionslehrer, einen Tanzlehrer und Musiklehrer halten. Wo wollen Sie die auf dem Lande hernehmen?“
„Er hat keinen Bissen Brot im Hause, und will seinen Kindern Tanzunterricht geben lassen!“ dachte Tschitschikow.