„Merkwürdig!“ dachte Platonow.
„Aber wir müssen doch unser Geschäft auch begießen!“ sagte Chlobujew: „He Kirjuschka! Hol doch mal schnell eine Flasche Champagner!“
„Er hat kein Stück Brot im Hause, dafür aber Champagner!“ dachte Tschitschikow.
Platonow wußte dagegen überhaupt nicht, was er denken sollte.
Zu seinem Champagner war Chlobujew fast gegen seinen Willen gekommen. Er hatte in die Stadt nach Kwas schicken lassen, aber im Kaufladen wollte man ihm keinen Kwas[5] leihen. Was sollte er tun? Man mußte am Ende doch seinen Durst stillen. Da erschien ein französischer Weinreisender aus Petersburg, der überließ seinen Wein allen Leuten auf Kredit. So blieb denn Chlobujew nichts übrig, und er mußte ihm auch ein paar Flaschen Champagner abnehmen.
Der Champagner stand bald auf dem Tische. Jeder trank drei Gläser, und die Stimmung wurde bald animiert, Chlobujew taute auf, wurde liebenswürdig und geistreich und ließ eine Menge Anekdoten und Witze vom Stapel. Aus seinen Reden sprach eine große Welt- und Menschenkenntnis! Wie scharf und richtig faßte er die Dinge auf, wie sicher und treffend konnte er die Gutsherren aus der Nachbarschaft mit ein paar Worten charakterisieren, wie klar erkannte er all ihre Fehler und Mängel, wie gut war ihm die Geschichte aller Gutsbesitzer, die sich ruiniert hatten, bekannt; wie komisch und originell wußte er ihre kleinen Eigenheiten und Gewohnheiten zu beschreiben: die Gäste waren ganz bezaubert von seiner Unterhaltung, und hätten ihn bereitwilligst für den Gescheitesten aller Menschen erklärt.
„Ich verstehe nicht, wie Sie bei soviel Geist und Verstand nicht Mittel und Wege finden, um sich zu helfen,“ sagte Tschitschikow.
„An den Mitteln fehlt es mir nicht,“ sagte Chlobujew und rückte sogleich mit einem ganzen Haufen von Projekten heraus. Aber sie waren alle so unsinnig, so seltsam, und ließen so sehr jegliche Welt- und Menschenkenntnis vermissen, daß man nur mit den Achseln zucken und sagen konnte: „Herrgott! welch eine unendliche Kluft liegt doch zwischen der Welt- und Menschenkenntnis und der Fähigkeit, sie auszunutzen!“ All seine Pläne hatten zur Voraussetzung, daß er sich plötzlich hundert- oder sogar zweihunderttausend Rubel verschaffen könnte. Wenn ihm das gelänge, dann glaubte er, würde alles in den rechten Gang kommen, die Wirtschaft würde aufblühen, alle Löcher würden sich verstopfen lassen, die Einkünfte würden sich vervierfachen, und bald würde er auch in der Lage sein, all seine Schulden zu bezahlen. Und er schloß seine Rede mit folgenden Worten: „Aber was soll man machen? Es gibt halt keinen solchen edlen Mann, der sich entschließen würde, mir zweihundert- oder meinetwegen auch nur hunderttausend Rubel zu leihen. Es ist wohl nicht Gottes Wille.“
„Das fehlte noch, daß Gott solch einem Narren zweimalhunderttausend Rubel in den Schoß werfen sollte!“ dachte Tschitschikow.
„Ich habe ja freilich noch eine Tante, eine dreifache Millionärin,“ sagte Chlobujew, „eine sehr fromme alte Dame: für Kirchen und Klöster hat sie immer was übrig, aber wenn’s gilt, seinem Nächsten zu helfen, dann ist sie sehr spröde. Wissen Sie, so eine Tante alten Schlages, es lohnt sich schon, sie einmal näher anzusehen. Sie hat allein gegen vierhundert Kanarienvögel, dazu Möpse, Gesellschafterinnen und Bediente, wie man sie heute garnicht mehr findet. Der jüngste ihrer Diener ist mindestens sechzig Jahre alt, trotzdem sie ihn immer: „He Bursche!“ ruft. Wenn sich ein Gast nicht so benimmt, wie sie es wünscht, dann läßt sie bei Tisch die Schüssel an ihm vorbeigehen, und die Bedienten tun natürlich, was sie befiehlt. Na, was sagen Sie?“