„Nun, und wenn Sie dies alles hätten, wie würden Sie dann Ihr Leben einrichten?“

„Oh, dann würde ich mir eine kleine Wohnung mieten und mich ganz der Erziehung meiner Kinder widmen. An mich selbst darf ich gar nicht mehr denken. Mit meiner Karriere ist es zu Ende; in den Staatsdienst kann ich doch nicht mehr eintreten: ich tauge ja doch zu nichts mehr!“

„Das bliebe doch ein müßiges Leben, und Sie wissen, Müßiggang ist aller Laster Anfang, da nahen sich einem allerhand Versuchungen, an die ein fleißiger und tätiger Mensch garnicht einmal denkt.“

„Ich kann halt nicht mehr, ich tauge zu nichts mehr! ich bin schon zu stumpf und apathisch, um etwas anzufangen. Zu alledem leide ich noch an Kreuzschmerzen.“

„Aber wie kann man nur ohne Arbeit leben? Wie können Sie es bloß auf der Welt aushalten ohne ein Amt und eine Tätigkeit? Ich bitte Sie! Blicken Sie doch um sich! Jedes Wesen auf Gottes Erde erfüllt eine gewisse Bestimmung und hat seine Funktion. Selbst der Stein ist nur dazu da, damit ihn jemand gebraucht oder bei einem nützlichen Werke verwendet, und der Mensch, das klügste, vernünftigste aller Geschöpfe sollte sein Leben tatenlos hinbringen — das ist doch unmöglich.“

„So ganz ohne Tätigkeit bin ich doch auch nicht. Ich kann mich doch mit der Erziehung meiner Kinder beschäftigen.“

„Nein, Ssemjon Ssemjonowitsch! Nein. Das ist das allerschwerste. Wie soll der Kinder erziehen, der es nicht einmal verstanden hat, sich selbst zu erziehen, Kinder kann man doch nur durch sein eigenes Beispiel erziehen, indem man ihnen das Leben vorlebt. Und sagen Sie ehrlich, kann Ihr Leben ihnen zum Vorbild dienen? Von Ihnen könnten sie schließlich doch nur lernen, wie man die Zeit müßig hinbringt, oder sie mit Kartenspiel totschlägt. Nein, Ssemjon Ssemjonowitsch, lassen Sie lieber mich Ihre Kinder erziehen. Sie werden sie nur verderben. Überlegen Sie sich doch die Sache einmal recht ordentlich. Was Sie zu Grunde gerichtet hat, das ist der Müßiggang — daher müssen Sie ihn vor allem meiden. Ein Mensch kann doch nicht ohne allen Halt im Leben sein. Er muß doch irgendwelche Pflichten haben. Selbst der Tagelöhner hat seinen Beruf. Er hat zwar nur ein kärgliches Einkommen, aber er muß es sich selbst verdienen, und daher hat er auch ein Interesse an seiner Tätigkeit.“

„Bei Gott, Afanassij Wassiljewitsch! Ich habe es versucht, ich habe mir redliche Mühe gegeben! Was soll ich machen? Ich bin schon zu alt, jetzt bin ich nicht mehr fähig, etwas Neues zu unternehmen. Sagen Sie doch nur: was soll ich denn anfangen? Ich kann doch nicht in den Staatsdienst treten? Oder soll ich mich etwa noch mit fünfundvierzig Jahren neben einen jungen Anfänger ins Bureau, hinter den Tisch setzen? Und dann bin ich unfähig, Geschenke anzunehmen — — ich werde mir selber nur schaden und andern im Wege sein. Außerdem haben sich unter den Beamten auch schon Kasten gebildet. Nein, Afanassij Wassiljewitsch, ich hab’s mir schon überlegt, ich hab’s versucht und darüber nachgedacht, was ich wohl für eine Stellung annehmen könnte — nein ich tauge nicht dazu. Ich passe höchstens noch ins Armenhaus.“

„Das Armenhaus ist für die da, die im Leben etwas geleistet und gearbeitet haben; die dagegen, die sich amüsiert haben, solange sie jung waren, bekommen zur Antwort, was die Ameise zum Grashüpfer sagte: ‚Geh, tanze weiter!‘ Aber auch im Armenhaus wird gearbeitet, auch da muß man sich nützlich machen; dort spielt man nicht etwa Whist, Ssemjon Ssemjonowitsch,“ fuhr Murasow fort, indem er Chlobujew fest ins Gesicht sah, „Sie betrügen sich nur selbst und mich dazu.“

Murasow sah ihm ernst und lange ins Gesicht, aber der arme Chlobujew vermochte nichts zu antworten, und er fing an, Murasow leid zu tun.[(13)]