oder etwa:

„Das ist etwas sehr Interessantes, eine äußerst angenehme Arbeit!“

oder irgend ein angenehmes Wort, wie es unter wohlerzogenen Beamten am Platze ist.

Akaki nahm jedoch stets die Akten an, ohne danach zu fragen, wer sie vor ihm hingelegt hatte, und ob der Betreffende überhaupt dazu berechtigt gewesen war. Er nahm sie und begann sie sofort getreulich abzuschreiben. Seinen Kollegen, die bei weitem jünger als er waren, diente er als Gegenstand für ihre Spöttereien und zur Zielscheibe für ihre Geistesblitze — soweit man bei Beamten und besonders bei Kanzleibeamten überhaupt von Geist reden kann. Bald erzählten sie sich eine Menge erfundener Geschichten über ihn und über die Frau, bei der er wohnte, eine siebzigjährige Greisin. Man sprach davon, daß sie ihn hin und wieder verprügle, man fragte ihn, wann er denn mit ihr vor den Altar treten wolle. Oder man ließ auch auf sein Haupt Papierkügelchen herabregnen und wollte ihm dann weismachen, daß es Schneeflocken wären. Aber Akaki schenkte diesen Attacken nicht die geringste Beachtung; er erweckte den Eindruck, als wüßte er garnichts von der Gegenwart der andern. Alle diese kleinen Quälereien taten seiner Beharrlichkeit im Arbeiten keinen Abbruch, und trotz all dieser Versuchungen lief ihm auch nicht ein einziger Schreibfehler unter. Wurde ihm jedoch einmal der Scherz zu unerträglich, zerrte man ihn etwa am Arme und hinderte ihn am Schreiben, so sagte er auch dann nur:

„Lassen Sie mich doch in Ruhe! Warum wollen Sie mich denn durchaus beleidigen?“ Und es lag etwas merkwürdig Rührendes in diesen Worten und in der Art, wie er sie sprach.

Eines Tages geschah es, daß ein junger Mann, der soeben eine Anstellung im Bureau erhalten hatte und nach dem Beispiel der andern sich auf seine Kosten lustig machen wollte, beim Klange dieser Stimme dastand, als hätte er einen Stich ins Herz bekommen, — und von nun an sah er den alten Beamten mit ganz andern Augen an.

Man hätte meinen können, daß eine übernatürliche Macht ihn von seinen Kollegen, die er soeben erst kennen gelernt und die er zuerst für gebildete und anständige Leute gehalten hatte, trennte. Ja bald empfand er vor ihnen nur noch einen starken Widerwillen. Und noch viel später mitten in der lustigsten Gesellschaft stand ihm das Bild dieses alten kleinen Titularrates mit der kahlen Stirn vor Augen und in seinen Ohren tönten die Worte wider:

„Lassen Sie mich doch! Weshalb wollen Sie mich denn durchaus beleidigen?“

Und er hörte mit diesen Worten auch noch andere, die in ihnen schlummerten:

„Bin ich nicht euer Bruder?“