„Nein! das wäre verlorene Mühe und eine unnütze Ausgabe, eine reine Verschwendung,“ versetzte Petrowitsch.
Akaki Akakiewitsch zog sich nach diesen Worten ganz niedergeschmettert zurück, während Petrowitsch mit zusammengekniffenen Lippen, mit sich selbst äußerst zufrieden wegen der so mannhaften Verteidigung des gesamten Schneiderstandes, stehen blieb.
Ziellos und betäubt irrte Akaki wie ein Somnambule in den Straßen umher.
„Welche Widerwärtigkeit!“ sprach er beim Gehen vor sich hin. „Wahrhaftig, ich hätte niemals gedacht, daß das so ausgehen würde ... Nein,“ fuhr er nach einem kurzen Schweigen fort, „ich konnte nicht annehmen, daß es dazu kommen würde ...“ Dann schwieg er wieder eine Weile still und sagte schließlich: „Ich befinde mich augenblicklich in einer durchaus unerwarteten Situation ... in einer solchen Verlegenheit, daß ...“
Und während er solcher Art sein Selbstgespräch fortsetzte, schlug er, anstatt nach Hause zu gehen, eine seiner Wohnung völlig entgegengesetzte Richtung ein, jedoch ohne dessen gewahr zu werden. Ein Schornsteinfeger schwärzte ihm beim Vorübergehen den Rücken. Von einem im Bau befindlichen Hause herab fiel ihm eine ganze Mütze mit Gips auf den Kopf; er jedoch sah und merkte nichts. Erst als er mit gesenktem Haupte gegen einen Wachtposten stieß, der ihm mit vorgehaltener Hellebarde den Weg versperrte und ihm aus seiner Dose Tabak auf die schwielige Hand schüttete, erwachte er rauh aus seinen Träumen.
„Was tust du hier?“ schrie ihn der brutale Hüter der öffentlichen Ordnung an; „kannst du nicht, wie es sich gehört, auf dem Trottoir gehen?“
Dieser plötzliche Anruf riß Akaki Akakiewitsch endlich völlig aus dem Zustande der Betäubung. Er sammelte wieder seine Gedanken, überblickte kaltblütig die Situation und ging ernst und freimütig mit sich zu Rate wie mit einem Freunde, dem man alle seine Herzensgeheimnisse anvertraut.
„Nein,“ sagte er endlich, „heute werde ich nichts bei Petrowitsch erreichen; heute ist er schlechter Laune ... vielleicht hat ihn seine Frau geprügelt, — ich werde ihn nächsten Sonntag wieder aufsuchen. Sonntag Morgen nach einer durchschwärmten Nacht wird er stark schielen, Durst haben, trinken wollen und seine Frau gibt ihm kein Geld dazu. Ich werde ihm ein Zehnkopekenstück in die Hand drücken, dann wird er viel eher zugänglich sein und mit sich über den Mantel sprechen lassen.“
Sich an dieser Hoffnung stützend, wartete Akaki Akakiewitsch bis zum nächsten Sonntag. An diesem Tage begab er sich, als er von ferne Petrowitschs Frau ihr Haus hatte verlassen sehen, zu dem Schneider und fand ihn, wie er erwartet hatte, in dem Zustande völligster Niedergeschlagenheit. Er schielte stärker als je und war ganz verschlafen. Kaum hatte jedoch der Schneider vernommen, worum es sich handelte, als er Akaki Akakiewitsch sofort anschnauzte, als sei der Teufel in ihn gefahren.
„Nein, da gibts gar nichts mehr zu tun! Sie können sich jetzt nur einen neuen Mantel kaufen.“