Akaki Akakiewitsch drückte ihm hier ein Zehnkopekenstück in die Hand.

„Danke, Euer Gnaden,“ antwortete Petrowitsch, „ich werde auf Ihre Gesundheit trinken. Was jedoch Ihren Mantel anbetrifft, so dürfen Sie gar nicht mehr an ihn denken. Er ist nicht mehr einen roten Heller wert. Lassen Sie mich nur ruhig gewähren, ich werde Ihnen einen prachtvollen neuen anfertigen — ich bürge Ihnen dafür!“

Der arme Akaki Akakiewitsch bat ein Mal über das andere Mal den Schneider, den alten zu reparieren, aber Petrowitsch wollte ihn gar nicht mehr anhören und sagte: „Ich will Ihnen schon einen neuen anfertigen ... Glauben Sie mir. Ich werde mir die größte Mühe geben. Ja, ich werde sogar, wie es jetzt Mode ist, silberne Haken und Ösen an dem Kragen anbringen.“

Jetzt erst begriff Akaki Akakiewitsch, daß er sich tatsächlich einen neuen Mantel werde anschaffen müssen, und zum zweitenmal fühlte er sich einer Ohnmacht nahe. Sich einen neuen Mantel machen lassen! Aber womit ihn bezahlen? Er hatte allerdings, um die Wahrheit zu sagen, zu den Feiertagen Ansprüche auf eine offizielle Gratifikation. Aber dafür hatte er schon längst eine Bestimmung gefunden. Er mußte sich ein Paar Beinkleider kaufen und einem Schuhmacher eine alte Schuld bezahlen, der ihm zwei Paar Stiefel ausgebessert und zwei neue Schäfte aufgesetzt hatte. Er mußte sich bei der Näherin drei neue Hemden und zwei von jenen Kleidungsstücken anfertigen lassen, die beim Namen zu nennen, gegen den literarischen Anstand verstößt, kurz alles war schon im voraus bestimmt. Und sollte — ein unerwartetes Glück! — der Direktor etwa die Gratifikation von vierzig auf fünfzig Rubel erhöhen, was wäre schließlich dieser magere Überschuß im Vergleich mit der unerhört hohen Summe, die Petrowitsch für den Mantel gefordert hatte? Ein Tropfen Wasser im Ozean.

Er wußte freilich, daß Petrowitsch die Angewohnheit hatte, mitunter ganz unglaubliche Preise zu verlangen, sodaß sich seine Frau oft nicht enthalten konnte, ihn mit folgenden Worten anzufahren:

„Bist du verrückt, du Esel? Bald arbeitest du für ein reines Nichts, und ein andermal reitet dich der Teufel, einen so unendlich hohen Preis zu fordern, den der Kerl selbst nicht wert ist.“

Er glaube demnach, daß Petrowitsch auch mit einem Preise von achtzig Rubel für einen neuen Mantel einverstanden sein würde. Aber wo sollte man selbst diese achtzig Rubel hernehmen? Vielleicht würde es ihm gelingen, wenn er alle Hebel in Bewegung setzte, die Hälfte oder sogar noch etwas mehr aufzutreiben. Woher aber sollte er die andere Hälfte nehmen!

Wir müssen dem Leser von den Mitteln, die Akaki Akakiewitsch zur Beschaffung dieser Summe anzuwenden gedachte, Rechenschaft geben!

Er hatte die Gewohnheit angenommen, so oft er einen Rubel erhielt, eine Kopeke in eine kleine Sparbüchse zu werfen, die stets fest verschlossen war. Am Ende eines jeden Halbjahres nahm er diese kleinen Kupferstücke heraus und ersetzte sie durch Silbergeld von gleichem Werte. Dieses Sparsystem hatte er schon ziemlich lange durchgeführt, und so beliefen sich nach Verlauf einiger Jahre seine Ersparnisse auf etwas mehr als vierzig Rubel. So besaß er wenigstens die Hälfte der in Betracht kommenden Summe. Aber die andere Hälfte! Wo sollte er die andern vierzig hernehmen? Akaki stellte unabsehbare Berechnungen an; schließlich sagte er sich, daß er mindestens ein Jahr hindurch verschiedene seiner Ausgaben reduzieren könne, des Abends auf den Tee verzichten, keine Kerze anzünden und — wenn er etwas zu arbeiten hätte — sich mit seinen Akten ins Zimmer seiner Wirtin setzen müßte, um seine Arbeit bei ihrer Kerze zu vollenden. Er faßte auch den Entschluß, auf der Straße möglichst sanft und vorsichtig aufzutreten, ja wenn es ging auf den Zehenspitzen über das Trottoir und das Pflaster zu gehen, um seine Sohlen nicht zu schnell durchzuscheuern, seine Wäsche nicht so oft waschen zu lassen, sie beim Nachhausekommen auszuziehen und statt dessen bloß seinen baumwollenen Schlafrock anzulegen, ein zwar sehr altes Stück, das die Zeit jedoch glücklicherweise noch ziemlich verschont hatte.

Anfangs waren ihm diese Entbehrungen etwas peinlich, aber nach und nach gewöhnte er sich an seine neue Lebensweise und brachte es sogar soweit, sich, ohne Abendbrot gegessen zu haben, zur Ruhe zu begeben. Während sein Körper unter dieser Unterernährung litt, fand sein Geist in der unaufhörlichen Beschäftigung mit seinem Mantel neue Anregung. Von diesem Augenblicke an hätte man sagen können, daß seine Natur das passende Komplement gefunden, daß er sich verheiratet hätte, daß noch ein anderer Mensch immer um ihn war, daß er nicht mehr einsam war und daß ihm eine Gefährtin zur Seite stände, die ihn auf allen seinen Lebenswegen begleitete; diese Gefährtin — war das Bild seines Mantels, wohl wattiert und gefüttert, eines Mantels, der überhaupt nicht umzubringen war.