Und man sah ihn viel entschlossener und mutiger als früher einherschreiten, er war ein Mensch geworden, der nur ein Ziel vor Augen hatte, das er auf jeden Fall erringen will. Die Charakterlosigkeit und Ängstlichkeit in seinem Gesichtsausdruck und in seinen Handlungen, seine lässige Haltung: mit einem Wort, all jene schwankenden und unsicheren Züge waren auf einmal verschwunden. Mitunter glänzten seine Augen wie in neuem Leben, und in seinen kühnen Träumen legte er sich bereits die Frage vor, ob er sich nicht an seinem Mantel auch ganz gut einen Mantelkragen anbringen lassen könne.
Diese Gedanken machten ihn bisweilen merkwürdig zerstreut. Eines Tages, als er wieder seine Akten abschrieb, bemerkte er plötzlich, daß ihm beinahe ein Fehler untergelaufen wäre.
„O, o!“ rief er aus.
Und schnell machte er das Zeichen des Kreuzes.
Mindestens einmal im Monat begab er sich zu Petrowitsch, um sich mit ihm über den kostbaren Mantel zu unterhalten und andre wichtige Dinge mit ihm festzustellen, zum Beispiel wo er das Tuch kaufen solle, wie teuer es wohl zu stehen kommen werde und welche Farbe in Betracht käme.
Jeder dieser Besuche führte zu neuen Erwägungen; aber jedesmal kehrte er zwar etwas besorgt aber doch glücklich und zufrieden nach Hause zurück, denn nun mußte doch endlich der Tag erscheinen, an dem alles besorgt, und der Mantel fix und fertig sein würde.
Dieses große Ereignis trat viel früher, als er gehofft hatte, ein. Der Direktor bewilligte ihm eine Gratifikation nicht von vierzig oder fünfzig, sondern von fünfundsechzig Rubeln. Hatte etwa dieser brave Beamte bemerkt, daß unser Freund Akaki Akakiewitsch so dringend eines neuen Mantels bedurfte? oder verdankte unser Held diese seltene Freigebigkeit nur seinem guten Sterne?
Wie dem auch immer war, Akaki Akakiewitsch wurde um zwanzig Rubel reicher. Eine solche Vermehrung seiner Ersparnisse mußte notwendig die Verwirklichung seines Vorhabens beschleunigen.
Noch zwei oder drei Monate, während deren er hungerte, und Akaki Akakiewitsch hatte seine achtzig Rubel beisammen. Sein gewöhnlich friedliches Herz begann heftig zu schlagen. Sowie er die ungeheure Summe von achtzig Rubeln beisammen hatte, suchte er Petrowitsch auf, und alle beide begaben sich noch am selbigen Tage zusammen zu einem Tuchhändler.
Ohne Zaudern kauften sie dort eine gute Ware. Kein Wunder! Seit mehr denn einem Jahre hatten sie sich über diese Anschaffung unterhalten, über alle Einzelheiten hatten sie debattiert und Monat für Monat hatten sie die Auslagen des Kaufmanns aufs sorgfältigste studiert um sich über die Preise zu vergewissern. Dafür erklärte aber Petrowitsch auch, einen bessern Stoff würde man schwerlich finden. Als Futter nahmen sie äußerst feste Leinewand, die nach der Meinung des Schneiders besser als Seide war und überdies einen unvergleichlichen, viel schöneren Glanz hatte. Marder kauften sie nicht, da sie ihn zu teuer fanden, aber sie entschieden sich für das schönste Katzenfell, das es in dem ganzen Laden gab und das man schließlich wohl auch für Marder halten konnte.