Um dieses Kleidungsstück anzufertigen, bedurfte Petrowitsch voller vierzehn Tage; denn er machte eine zahllose Menge von Stichen, ohne die wäre er allerdings früher fertig geworden. Er berechnete seine Arbeit mit zwölf Rubeln; weniger konnte er nicht fordern: alles war mit Seide gearbeitet, und der Schneider hatte die Nähte mit den Zähnen, deren Spuren man noch sah, gebügelt. Endlich kam er an, der so innig herbeigesehnte Mantel. Es ist mir nicht möglich, genau den Tag zu beschreiben, aber sicherlich war es der feierlichste Tag in dem Leben Akakij Akakiewitschs.
Der Schneider brachte den Mantel selbst schon am frühen Morgen, bevor der Titular-Rat sich in sein Büro begab. Er hätte garnicht zu gelegenerer Zeit kommen können, denn die Kälte machte sich bereits bitter fühlbar, und drohte mit der Zeit noch weit heftiger zu werden.
Petrowitsch näherte sich seinem Kunden mit der würdevollen Miene eines weltberühmten Schneiders. Seine Physiognomie war von einem seltenen Ernst; niemals hatte der Titular-Rat ihn so gesehen. Er war von seinem Verdienst durchdrungen und bemaß in Gedanken voller Stolz den Abstand, der den Flickschneider von dem Künstler, dem Verfertiger neuer Kleidungsstücke, scheidet.
Der Mantel war in eine neue, erst kürzlich gewaschene Leinewanddecke gehüllt, die der Schneider sorgfältig aufknüpfte und dann wieder zusammenlegte, um sie seiner Tasche anzuvertrauen. Dann faßte er stolz den Mantel mit beiden Händen an und legte ihn Akakij Akakiewitsch auf die Schultern. Hierauf half er ihm vollends hinein, strich ihm mit der Hand noch einmal über den Rücken, und ein Lächeln der Genugtuung überlief seine Züge, als er ihn in seiner ganzen Länge majestätisch herabfallen sah; schließlich mußte Akakij Akakiewitsch ihn noch einmal weit aufmachen und sich dem Schneider von vorne präsentieren.
Als ein Mann reiferen Alters wollte Akakij Akakiewitsch auch die Ärmel anprobieren; Petrowitsch half ihm in die Ärmel hinein, und siehe da, sie saßen wundervoll. Kurz, der Mantel war tadellos in allen seinen Einzelheiten, und der Schnitt ließ nichts zu wünschen übrig.
Während der Schneider sein Werk betrachtete, verfehlte er nicht, darauf hinzuweisen, daß er ihn nur wegen der geringen Miete, weil er in einer kleinen Nebenstraße wohne und nichts für ein Aushängeschild zu zahlen brauche, sowie wegen seiner langjährigen Bekanntschaft mit Akakij Akakiewitsch so billig hergestellt hätte. Dann bemerkte er noch, daß ein Schneider vom Newski Prospekt allein für die Fasson eines gleichen Mantels mindestens fünfundsiebzig Rubel gefordert haben würde. Akakij Akakiewitsch wollte sich jedoch über diesen Punkt nicht erst in eine Diskussion einlassen, denn er fürchtete sich vor den horrenden Summen, mit denen Petrowitsch zu prahlen liebte. Er zahlte, dankte und verließ seine Stube, um sich in seinem neuen Mantel nach dem Büro zu begeben.
Petrowitsch ging mit ihm und machte mitten auf der Straße halt, um ihm so weit wie möglich mit den Augen zu folgen. Dann verließ er die Straße, durchquerte eiligst eine kleine Gasse und rannte nach der Straße zurück, um den Mantel noch einmal von einer andern Seite, d. h. von vorne zu betrachten.
Voll süßer Gedanken, in einer wahren Feiertagsstimmung, näherte sich Akakij seinem Büro. Jeden Augenblick fühlte er, daß von seinen Schultern ein neues Kleidungsstück herabhing und beglückte sich selbst mit einem holden Lächeln der Genugtuung.
Zwei Dinge vor allem gingen ihm durch den Kopf: zunächst, daß der Mantel warm war, sodann, daß er gut aussah. Ohne irgendwie auf den Weg, den er gegangen war, geachtet zu haben, betrat er plötzlich die Kanzlei, legte seinen Schatz im Vorzimmer ab, schaute ihn sich noch einmal sorgfältig von allen Seiten an und bat den Portier, recht sorgsam auf den Mantel zu achten.
Ich weiß nicht, wie sich das Gerücht in den Bureaus verbreitet hatte, daß Akaki Akakiewitsch sich einen neuen Mantel angeschafft, und die alte Kapuze zu existieren aufgehört habe. Jedenfalls eilten alle Kollegen Akaki Akakiewitschs herbei, um seinen herrlichen Mantel zu bewundern und den Titular-Rat mit so warmen Glückwünschen zu überhäufen, daß er nicht umhin konnte, ihnen mit einem Lächeln der Genugtuung zu antworten, das bald jedoch wieder einer gewissen Verlegenheit Platz machte.