„Dieser Mantel gehört mir,“ schrie einer der Männer, indem er Akaki Akakiewitsch an dem Kragen faßte.

Akaki Akakiewitsch wollte um Hilfe rufen. Einer der Angreifer schloß ihm indessen mit seiner Faust, die die Größe eines Beamtenkopfes hatte, den Mund und sagte zu ihm:

„Laß dir’s nur nicht einfallen, zu schreien!“ Im selben Augenblick fühlte der Titular-Rat, wie man ihm seinen Mantel auszog, und fast gleichzeitig ließ ihn ein Fußtritt in den Schnee rollen, in dem er bewußtlos liegen blieb.

Einige Sekunden später kam er wieder zu sich; aber er vermochte niemand mehr zu erblicken. Seiner Kleidung beraubt und ganz erfroren begann er aus Leibeskräften zu schreien, aber seine Rufe konnten kaum bis zum anderen Ende des Platzes dringen. Ganz außer sich lief er über den Platz und stürzte mit der letzten Kraft der Verzweiflung auf das Schilderhäuschen zu, wo die Wache, Gewehr bei Fuß, ihn neugierig betrachtete und fragte, weshalb zum Teufel er denn einen solchen Lärm vollführe und wie ein Verrückter liefe.

Als Akaki Akakiewitsch den Soldaten erreicht hatte, beschuldigte er ihn mit bebender Stimme der Trunkenheit, weil er nicht bemerkt hatte, daß man in nächster Nähe von ihm die Passanten bestehle und ausplündere.

„Ich habe nichts gesehen,“ erwiderte der Mann, „ich sah Sie nur mitten auf dem Platze zusammen mit zwei Individuen. Ich glaubte, es wären Ihre Freunde. Es ist unnütz, sich deshalb aufzuregen. Suchen Sie morgen den Polizei-Inspektor auf, er wird die Angelegenheit in die Hand nehmen, nach den Dieben des Mantels forschen lassen und eine Untersuchung einleiten.“

Der unglückliche Akaki Akakiewitsch kam in einem fürchterlichen Zustande zu Hause an: die wenigen Haare, die er noch am Hinterkopf und an der Schläfe hatte, hingen ihm wirr über die Stirn; Brust, Rücken und Beinkleider waren voller Schnee. Als seine alte Wirtin ihn wie einen Besessenen an die Tür klopfen hörte, stand sie schnell auf und kam auf nackten, nur in Pantoffeln steckenden Füßen herbeigeeilt. Sie öffnete die Türe, indem sie ihre nur mit einem Hemde bekleidete Brust mit der einen Hand schamhaft zudeckte. Aber bei Akaki Akakiewitschs Anblick prallte sie entsetzt zurück.

Als er ihr erzählte, was ihm zugestoßen war, rang sie die Hände und rief:

„Sie müssen sich nicht an den Polizei-Inspektor wenden, sondern an den Bezirks-Kommissar. Der Inspektor wird Sie mit schönen Worten abspeisen und doch nichts für Sie tun. Aber den Bezirks-Kommissar kenne ich schon lange. Meine alte Köchin Anna, eine Finnländerin, dient jetzt bei ihm als Amme, und ich sehe sie oft unter unseren Fenstern vorbeikommen. Er geht jeden Sonntag in die Kirche, um zu beten, und wirft allen Leuten freundliche Blicke zu, man sieht es ihm gleich an, daß er ein braver Mann ist.“

Nach dieser beruhigenden Empfehlung zog sich Akaki traurig in sein Zimmer zurück. Wer sich nur einigermaßen in die Situation eines andern hinein versetzen kann, wird begreifen, wie er die Nacht verbrachte.