Endlich — nach mehreren Zwiegesprächen und einigen neuen Pausen, währenddessen die beiden Freunde in ihren bequemen Lehnsesseln liegend, den Rauch ihrer Zigarren zur Decke sandten, schien sich der General-Direktor plötzlich daran zu erinnern, daß man ihn um eine Audienz gebeten hätte. Er rief seinen Sekretär, der mit verschiedenen Akten an der Tür stand, und sagte: „Ich glaube es wartet da irgend ein Beamter auf mich. Lassen Sie ihn herein!“
Als er Akaki Akakiewitschs ansichtig wurde, der sich ihm mit untertäniger Miene in seiner alten Uniform näherte, wandte er sich schroff zu ihm und fuhr ihn in jenem strengen und rauhen Tone an, den er sich, wenn er in seinem Zimmer allein war, vor dem Spiegel einstudiert hatte, noch eine ganze Woche bevor er seinen neuen Posten einnehmen und sich General nennen durfte.
„Was wollen Sie?“
Der schon ganz eingeschüchterte Akaki Akakiewitsch war wie niedergeschmettert von dieser schroffen Anrede. Indes versuchte er es sich so gut er konnte verständlich zu machen und zu erzählen, wie man ihn in unmenschlicher Weise seines neuen Mantels beraubt hatte, nicht ohne seinen Bericht mit einer Menge überflüssiger Flickworte zu verbrämen. Er fügte hinzu, er habe sich an Seine Exzellenz gewandt in der Hoffnung, daß er dank dieser hohen und gütigen Protektion bei dem Polizei-Präsidenten oder bei andern hohen Behörden wieder in den Besitz seines Kleidungsstückes gelangen könne.
Der General-Direktor fand aus irgend einem Grunde, daß dies Benehmen viel zu familiär sei und herrschte ihn daher kurz an: „Wie Herr! Sie wissen nicht, was Sie in so einem Falle zu tun haben? Was fällt Ihnen ein? Sie kennen wohl den Instanzenweg nicht? Sie hätten eine Bittschrift einreichen sollen, die in die Hände des Bureauchefs und aus ihnen in die des Abteilungsvorstandes gelangt wäre; dieser hätte sie meinem Sekretär überreicht, durch den sie mir hätte zugestellt werden müssen.“
„Gestatten Sie mir,“ unterbrach ihn Akaki Akakiewitsch mit großer Anstrengung, um den kargen Rest von Geistesgegenwart, der ihm geblieben war, zusammenzunehmen. Fühlte er doch, daß er schon vor Schrecken und Erregung schwitzte. „Gestatten Sie mir, Eure Exzellenz, Ihnen zu bemerken, daß, wenn ich mir die Freiheit genommen habe, Sie mit dieser Angelegenheit zu belästigen, die Sekretäre ... die Sekretäre sind Leute, von denen man nichts zu erwarten hat.“
„Wie? Was? Wahrhaftig!“ schrie ihn der General-Direktor an. „Sie wagen es, hier eine solche Sprache zu führen? Wie sind Sie denn zu solchen Ansichten gelangt? Es ist eine Schmach, zu sehen, wie sich junge Leute derartig gegen ihre Vorgesetzten empören!“
In seinem Ungestüm sah wohl der General-Direktor garnicht, daß der Titular-Rat bereits die Fünfzig überschritten hatte und daß die Bezeichnung: junger Mann nur noch relativ auf ihn angewendet werden konnte: im Vergleich mit einem Siebzigjährigen nämlich!
„Wissen Sie auch,“ fuhr die hohe Persönlichkeit fort, „mit wem Sie sprechen? Erinnern Sie sich, vor wem Sie stehen? Erinnern Sie sich daran! Ich sage: erinnern Sie sich daran!“
Diese Worte begleitete er mit heftigem Fußstampfen, und seine Stimme nahm eine solche Schärfe, einen so furchterregenden Umfang an, daß auch ein anderer erschrocken zusammengefahren wäre.