Einige Tage nach seinem Tode ließ ihm sein Chef durch einen Boten mitteilen, daß er sich sofort auf seinen Posten zu begeben habe. Der Bureaudiener kam jedoch mit der Nachricht zurück, daß der Titular-Rat nicht mehr kommen könne.
„Und weshalb nicht?“ fragten die Beamten.
„Weil er bereits tot und vor vier Tagen begraben worden ist!“
So erfuhren Akaki Akakiewitschs Kollegen seinen Tod.
Am Tage darauf nahm seinen Platz ein anderer Beamter ein, der viel robuster und gröber war und der sich nicht die Mühe nahm, beim Kopieren der Akten die Buchstaben so aufrecht hinzumalen, sondern der eine viel schrägere Schrift hatte.
Es könnte scheinen, als müsse Akaki Akakiewitschs Geschichte hier endigen, und als hätten wir nichts mehr über ihn mitzuteilen. Allein der bescheidene Titular-Rat war dazu bestimmt, nach seinem Tode noch manchen Tag von sich reden zu machen: wie zur Belohnung für sein bescheidenes von niemandem beachtetes Dasein, und unsere Erzählung nimmt hier ganz unerwarteter Weise eine recht phantastische Wendung.
Eines Tages verbreitete sich in St. Petersburg das Gerücht, daß in der Nähe der Katharinenbrücke Nacht für Nacht ein Gespenst in der Uniform eines Kanzleibeamten erscheine, einen gestohlenen Mantel suche und allen Passanten, ohne sich im mindesten um deren Titel oder Rang zu kümmern, ihre wattierten, mit Katzen-, Otter-, Bären-, Biberfell gefütterten Mäntel, kurz alle solche, die die Menschen erfunden haben, um ihr eigenes Fell gegen die Kälte zu schützen, abnehme. Ein dermaliger Kollege des Titular-Rates hatte dieses Gespenst gesehen und in ihm sofort Akaki Akakiewitsch erkannt. Er war, tödlich erschrocken, so schnell er konnte, davongelaufen, und so war es ihm gelungen, zu entkommen, aber — obwohl er schon fern war — hatte er es doch mit der Faust drohen sehen. Überall erfuhr man, daß die Rücken und die Schultern von Räten, — nicht nur von Titular-Räten, — sondern auch von Staatsräten infolge dieses unqualifizierbaren Raubes ihrer schönen warmen Kleidung den heftigsten Erkältungen ausgesetzt waren.
Die Polizei traf natürlich alle möglichen Maßregeln, um dieses Gespenst — tot oder lebend — zu ergreifen und an ihm eine exemplarische Strafe zu vollziehen; und das wäre ihr auch beinahe gelungen.
Eines Abends hatte ein Posten in der Kirjuschkingasse das Glück, das Gespenst gerade in dem Momente am Kragen zu packen, wo es einem alten Musiker, der vormals die Flöte gespielt hatte, seinen Friesmantel fortnehmen wollte. Die Wache rief zwei Kameraden zu Hilfe und vertraute ihnen den Gefangenen an, während sie mit der Hand in ihren Stiefel langte, um ihre Tabaksdose zu suchen, und ihre schon zum sechsten Male erfrorene Nase wieder etwas zu beleben. Aber der Tabak war wohl von solcher Art, daß selbst ein Toter ihn nicht gut vertragen konnte. Kaum hatte der Posten seinem linken Nasenloche einige Körnchen anvertraut, während er das rechte zuhielt, als der Gefangene so gewaltig zu niesen begann, daß die drei Soldaten fühlten, wie ein Nebel ihre Augen verhüllte. Während sie sich die Lider rieben, verschwand das Gespenst spurlos, so daß sie nicht recht wußten, ob sie es auch wirklich in ihren Händen gehalten hatten. Von diesem Tage an hatten alle Wachen eine so große Furcht vor Gespenstern, daß sie nicht einmal einen lebendigen Menschen mehr zu verhaften wagten und sich darauf beschränkten, ihm von ferne zuzurufen: