Bring Kosaken Ruhm und Freud,

Und den Feinden Schmerz und Leid!

Hör’, Katerina, ich glaube, dein Vater will nicht in Frieden mit uns leben. So mürrisch kam er hier an und so verdrießlich, als zürnte er uns ... Wenn er nicht zufrieden ist — wozu kam er denn her? Er wollte nicht mit uns trinken auf die Kosakenfreiheit und hat nicht einmal das Kind in den Armen gewiegt! Zuerst wollte ich ihm alles anvertrauen, was mir das Herze beschwert, doch etwas hielt mich zurück, und meine Rede stockte. Nein, er hat kein Kosakenherz! Ein Kosakenherz fängt gleich laut in der Brust an zu schlagen, wenn’s einem andern begegnet! Nun, liebe Burschen, ist das Ufer schon nah? Ihr sollt auch neue Mützen bekommen. Du, Stetzko, kriegst eine, die mit Sammet und Gold verziert ist. Ich hab’ sie dereinst einem Tataren mitsamt seinem Kopfe genommen; auch sein ganzes Rüstzeug fiel mir damals zu, nur seine Seele allein ließ ich frei. Legt an! Siehst du, Iwan, da sind wir schon, und du weinst noch immer! Nimm ihn, Katerina!“

Alle gingen ans Land. Hinter dem Berge stieg ein Strohdach auf, das war Pan Danilos Erbsitz. Dahinter lag noch ein anderer Berg, dann kam gleich freies Feld, und hundert Werst weit konnte man laufen, ohne auf eine Kosakenseele zu stoßen.

III.

Das Landgut Pan Danilos liegt zwischen zwei Bergen in einem engen Tal, das auf den Dnjepr hinausgeht. Das Haus ist nicht hoch, gleicht von außen der Hütte eines einfachen Kosaken, und bloß eine Stube ist drin; doch ist Raum darinnen genug für ihn, wie für sein Weib und für die alte Magd und zehn auserlesene Burschen. An den Wänden entlang laufen oben eichene Bohlen. Dort stehen zahlreiche Schüsseln und Töpfe für die Mahlzeiten, darunter auch Pokale von Silber, in Gold gefaßte Becher, die der Pan zum Geschenke erhielt oder im Kriege erbeutete. Kostbare Musketen hängen von den Wänden herab, Säbel, Feuergewehr und Lanzen; freiwillig oder mit Gewalt nahm man sie aus Tatarenhänden oder von Türken und Polen, und darum haben sie auch so viele Scharten. Ihr Anblick gemahnte Pan Danilo gar oft wie Merkzeichen an seine vielen Gefechte. An den Wänden ziehen sich glatte, gehobelte Eichenbänke hin und daneben, vor der Ofenbank, hängt die Wiege an ein paar Stricken, die man durch einen Ring an der Zimmerdecke oben gezogen hat. In der ganzen Stube ist der Fußboden glatt gestampft und mit Lehm überstrichen. Auf den Bänken schläft Pan Danilo mit seiner Frau, auf der Ofenbank die alte Dienerin; in der Wiege spielt und schaukelt das kleine Kind, und auf dem Fußboden schlafen die Burschen. Doch ist’s dem Kosaken lieber, auf nackter Erde unter dem freien Himmel zu schlafen, da braucht er weder Kissen noch Federbett: er bettet sich frisches Heu unter den Kopf und streckt sich wohlig hin aufs Gras. Dann freut’s ihn wohl, wenn er mitten in der Nacht erwacht, nach dem hohen, von Sternen besäten Himmel zu sehen, und in der nächtlichen Kälte, die doch den Kosakenknochen soviel Frische verleiht, zu erschauern; er dehnt sich, murmelt schlaftrunken etwas, steckt seine Pfeife an und hüllt sich fester in seinen warmen Pelz.

Es war nicht mehr ganz früh, als Burulbasch nach dem gestrigen Fest erwachte; er setzte sich auf eine Bank in der Ecke und begann seinen neu eingetauschten türkischen Säbel zu schleifen, Pani Katerina aber machte sich dran, ein seidenes Tuch mit Gold zu besticken.

Auf einmal trat Katerinas Vater ein, griesgrämig und mürrisch, mit einer fremdländischen Pfeife zwischen den Zähnen. Er ging auf seine Tochter zu und begann streng sie auszuforschen, was wohl der Grund sei, daß sie so spät nach Hause gekommen.

„Nach solcherlei Dingen hast du, Schwäher, nicht sie zu befragen, sondern mich! Nicht der Frau steht die Antwort zu, sondern dem Manne. So ist es nun einmal Sitte bei uns, nehmt es nicht übel!“ sprach Danilo, ohne von seiner Arbeit zu lassen, „vielleicht ist es in manchen Ländern, wo Ungläubige wohnen, anders — das freilich weiß ich nicht!“

Das rauhe Gesicht des Schwiegervaters verfärbte sich, und seine Augen blitzten wild auf. „Wer hat denn sonst nach seiner Tochter zu sehen wenn nicht der Vater!“ murmelte er vor sich hin. „Nun denn, so frage ich dich: wo bist du herumgestrichen bis spät in die Nacht?“