Gleichmäßig und furchtbar schlugen sich die Kosaken, nicht der, noch jener hatte einen Vorteil errungen. Bald drang Katerinas Vater vor und Pan Danilo wich zurück oder Pan Danilo griff an, und der Vater wehrte sich finster, und dann standen beide wieder gleich. Die Wut kocht in ihnen. Sie holten aus .... hui! wie die Säbel schmettern .... und tosend fliegen die Klingen zur Seite.

„Ich danke dir, Gott!“ rief Katerina, doch tat sie gleich einen neuen Schrei, als sie sah, wie die Kosaken nach den Musketen griffen; sie richteten die Feuersteine und spannten die Hähne.

Pan Danilo feuerte ab und traf nicht. Jetzt zielte der Vater. Er war alt, er sah nicht so scharf wie ein Junger und doch zittert ihm die Hand nicht. Da krachte der Schuß ..... Pan Danilo wankte, und rot lief sein helles Blut in den linken Ärmel des Kosakenschupans.

„Nein!“ rief er, „so billig verkauf ich mich nicht! Nicht der linke Arm ist der Herr, ’s ist der rechte! Bei mir an der Wand hängt eine türkische Pistole: noch nie in meinem Leben ist sie mir untreu geworden. Komm von der Wand herab, alter Genosse! Erweis dem Freund deinen Dienst!“ Und Danilo streckte die Hand aus.

„Danilo!“ schrie Katerina verzweifelt, packte ihn am Arm und warf sich vor ihm auf die Knie, „nicht meinetwegen fleh ich dich an. Dein Ende ist auch das meine: unwürdig ist die Frau, die ihren Mann überlebt; der Dnjepr, der kalte Dnjepr wird mein Grab sein .. Aber siehe deinen Sohn an, Danilo, sieh deinen Sohn! Wer wird das arme Kind beschirmen? Wer wird es hätscheln? Wer wird es lehren, auf rabenschwarzem Rosse dahinzufliegen, für Freiheit und Glauben zu kämpfen, nach Kosakenart zu trinken und zechen? Mein Sohn, geh dahin und verdirb! Dein eigner Vater will dich nicht mehr kennen! Schau, wie er sein Gesicht von dir abwendet. Oh, jetzt kenn ich dich erst! Du bist ein Tier und kein Mensch! Du hast das Herz eines Wolfs und den Sinn einer listigen Schlange! Glaubt’ ich denn nicht, du hegest ein Tröpflein Erbarmen in deinem Herzen, und in deinem steinernen Leibe brenne ein menschlich Gefühl? Wie töricht täuschte ich mich. Ja, das bereitet dir Freude. Deine Knochen werden im Grabe vor Freude springen, wenn sie vernehmen, wie diese ungläubigen Tiere, die Polen, deinen Sohn in die Flamme werfen, wenn dein Sohn dann unter dem Messer und im siedenden Wasser liegt und schreit! Oh, ich kenne dich! Froh wärest du wahrlich, aufzustehn aus dem Grabe und das Feuer mit der Mütze zu schüren, das unter ihm lodert!“

„Halt, Katerina! Komm her zu mir, lieber Iwan, ich will dich küssen! Nein, mein Kind, niemand soll dir ein Härchen krümmen. Du wirst aufwachsen zum Ruhm deines Vaterlands, wie im Sturm rasest du dereinst vor den Kosaken dahin, mit einer Sammetmütze auf dem Kopfe und mit dem scharfen Schwert in der Hand! Vater, reich mir die Hand! Wir wollen vergessen, was zwischen uns vorfiel. Hab’ ich dir Unrecht getan, nun so gesteh’ ich meine Schuld ein. Warum gibst du mir nicht deine Hand?“ sprach Danilo zu Katerinas Vater, der immer noch auf seinem alten Platze dastand und dessen Gesicht weder von Zorn noch von Versöhnung sprach.

„Vater!“ rief Katerina, umarmte und küßte ihn, „laß dich erbitten. Vergib Danilo, er wird dich nimmermehr kränken!“

„Nur deinetwegen vergebe ich ihm, meine Tochter,“ erwiderte jener, küßte sie und seine Augen glänzten absonderlich auf.

Katerina schrak leise zusammen: so seltsam erschien ihr der Kuß, so seltsam der Glanz seiner Augen. Sie stützte sich mit der Hand auf den Tisch, auf dem Pan Danilo seinen verwundeten Arm verband. Indessen sann Danilo darüber nach, daß er falsch gehandelt, und nicht nach rechter Kosakenart, als er um Vergebung gebeten, obwohl er sich keiner Schuld bewußt war.

IV.