Ein Tag kam herauf, doch ein Tag ohne Sonne: der Himmel war finster, und ein feiner Regen rieselte über die Felder und Wälder und über den breiten Dnjepr hernieder. Pani Katerina war aufgewacht, aber ihr war nicht recht froh zumute: ihre Augen waren verweint, und sie war wirr und ruhelos. „Geliebter Mann, teurer Mann,“ sprach sie, „ich hab’ einen wunderlichen Traum geträumt!“
„Was für einen Traum, meine liebe Pani Katerina?“
„Mir träumte etwas so Wunderliches, und wahrlich so lebensvoll, als ob ich wachte, mir träumte, mein eigner Vater sei jenes selbe Ungeheuer, das wir beim Jessaul geschaut. Doch ich bitt’ dich, trau’ dem Traume nicht: was träumt man nicht alles für Torheit! Mir war’s, als stände ich vor ihm und zitterte, und bei jedem Wort von ihm stöhnte es auf in meinen Adern. O hättest du gehört, was er gesprochen ....“
„Was sprach er denn, meine goldene Katerina?“
„Er sprach: „Schau mich an, Katerina, ich bin schön! Zu Unrecht sagen die Leute, daß häßlich ich sei. Doch werde ich dir ein trefflicher Mann sein. Sieh, wie mein Auge glüht!“ — Da warf er einen flammenden Blick auf mich, und ich schrie auf und erwachte!“
„Ja, vieles Wahre sagen die Träume. Ist es dir auch bekannt, daß hinter den Bergen nicht alles mehr ruhig ist? Die Polen sollen sich wieder gezeigt haben. Gorobetz ließ mir verkünden, ich solle nicht schlafen; doch seine Sorge ist grundlos: auch ohne dies bin ich kein Schläfer. Meine Burschen schlugen heut Nacht zwölf Schanzen auf. Wir wollen den Herren vom Polenreich mit Bleipflaumen aufwarten, und die Schlachzizen sollen unter der Zuchtrute tanzen lernen!“
„Und weiß mein Vater das?“
„Dein Vater sitzt mir auf dem Halse! Er blieb mir ein Rätsel bis zur Stunde. Er hat wohl viel gesündigt im fremden Lande. Wahrlich, was mag das für einen Sinn haben — schon einen Monat fast lebt er hier, und noch nie war er lustig und froh, wie ein rechter Kosak! Er weigert sich, Meth zu trinken! Hörst, Katerina, weigert sich Meth zu trinken, den ich herausgesackt habe von den Brester Juden! Heda, Bursche!“ rief Pan Danilo, „lauf schnell in den Keller, Junge, und hol mir Judenmeth! Auch trinkt er keinen Schnaps! Hölle und Teufel! mir scheint fast, Pani Katerina, er glaubt wohl auch nicht an Christus, unseren Herrgott! Was dünkt dir?“
„Weiß Gott, was alles du sprichst, Pan Danilo!“
„’S ist wunderlich, Pani,“ fuhr Danilo fort und nahm den Tonkrug aus der Hand des Kosaken entgegen. „Selbst die Katholiken im heidnischen Rom sind Freunde des Schnapses. Nur die Türken trinken ihn nicht. Nun, Stetzko, hast du im Keller tüchtig vom Meth geschluckt?“