„Wie kann man Schweinefleisch verschmähen?“ sagte Danilo: „nur Türken und Juden essen kein Schweinefleisch.“
Des Vaters Stimmung wurde noch finsterer und düsterer; nichts als Mehlbrei mit Milch aß der Alte, und statt des Schnapses trank er nur dann und wann eine dunkle Flüssigkeit aus einer Flasche, die er im Busen verwahrt hielt.
Nach dem Mahl legte sich Danilo zu einem kräftigen Schläfchen nieder und wachte erst gegen Abend auf. Er setzte sich hin, Sendbriefe zu schreiben an das Heer der Kosaken. Pani Katerina aber saß währenddessen auf der Ofenbank und schaukelte die Wiege mit ihrem Fuße. Pan Danilo sitzt da, blickt mit dem linken Aug’ auf die Schrift und mit dem rechten nach dem Fenster. Und ins Fenster leuchten die Berge und glänzt der Dnjepr von ferne herein; hinter dem Dnjepr blauen die Wälder, und von oben glimmt der geklärte Himmel der Nacht. Doch nicht auf dem fernen Himmel noch auf dem blauen Walde ruht Danilos Blick; er schaut nach der vorspringenden Landzunge. Schwarz erhebt sich darauf das alte Schloß. Ihn deuchte, es blitzte im Schlosse ein schmales Fensterchen auf. Doch alles blieb still; gewiß hatte es ihm nur so geschienen. Unten hörte man nur den Dnjepr dumpf rauschen und von drei Seiten das Tosen der jäh erwachten Wogen herüber hallen. Nicht Aufruhr war’s oder Empörung: der Dnjepr murrte und grollte wie ein Greis; nichts wollte ihm gefallen, denn alles um ihn herum war verändert; er führte einen heimlichen Krieg mit den Bergen, den Wäldern und den Wiesen am Ufer und Klage trägt er ob ihrer zum Schwarzen Meere hin.
Da erschien plötzlich ein Kahn wie ein schwarzer Fleck auf dem breiten Spiegel des Dnjepr, und im Schlosse flammte es von neuem auf. Leise pfiff Danilo, und auf den Pfiff lief der treue Bursche herzu: „Nimm schnell den scharfen Säbel und das Gewehr, Stetzko, und folge mir!“
„Du gehst?“ fragte Pani Katerina.
„Ja, Frau, ich gehe. Ich muß überall hingehen, zu sehen, ob alles in Ordnung ist.“
„Ich fürchte mich so, allein zu bleiben. Der Schlaf kommt über mich. Wie, wenn ich heute wieder dasselbe träumte? Ich bin nicht gewiß, ob es auch wirklich nur ein Traum war, — so lebendig stand alles vor mir!“
„Die Alte bleibt bei dir, und auf der Diele und im Hof schlafen die Kosaken!“
„Die Alte schläft auch schon, und auf die Kosaken vertrau ich nicht sehr. Hör, Pan Danilo: Schließ mich im Zimmer ein und nimm den Schlüssel mit dir. Dann ist mir nicht so schrecklich zumute, und die Kosaken laß vor der Tür schlafen.“
„Sei’s denn so,“ sagte Danilo, wischte den Staub von der Flinte und schüttete Pulver auf.