Der Zauberer stand regungslos auf seinem Platze. „Wo bist du gewesen?“ fragte er, und sie, die vor ihm stand, erschauerte.
„Oh, warum hast du mich gerufen?“ stöhnte sie leise. „Ich war so froh. Ich befand mich an jenem Ort, wo ich geboren ward, und ich lebte fünfzehn Jahre lang dort. O, wie herrlich ist’s da! Wie grün und duftig ist diese Wiese, auf der ich in meiner Kindheit spielte! Auch die Feldblümelein sind noch dieselben, und das Haus und der Garten auch! Wie zärtlich umarmte mich die gute Mutter! Wieviel Liebe ist in ihren Augen! Sie hat mich geherzt und auf Wange und Mund geküßt und meine blonden Flechten mit dem dichten Kamme gekämmt. Vater!“ Sie heftete ihre bleichen Augen auf den Zauberer. „Warum hast du meine Mutter ermordet?“
Der Zauberer drohte zornig mit dem Finger. „Hab’ ich verlangt, du sollest davon sprechen?“ Und die aus Luft gewobene Schöne erbebte.
„Wo ist deine Herrin jetzt?“
„Meine Herrin, Pani Katerina, ist jetzt eingeschlafen. Ich freute mich des, flatterte empor und flog von hinnen. Ich wollte meine Mutter schon lang wieder sehen. Auf einmal war ich wieder fünfzehn Jahre alt und so leicht wie ein Vogel. Warum hast du mich gerufen?“
„Denkst du noch an all das, was ich dir gestern gesagt?“ fragte der Zauberer so leise, daß man’s kaum hören konnte.
„Gewiß denk’ ich dran, gewiß. Aber was würd’ ich darum geben, es zu vergessen. Arme Katerina! Sie weiß gar manches von dem nicht, was ihre Seele weiß.“
„Das ist die Seele Katerinas!“ dachte Pan Danilo, aber er wagte es noch immer nicht, sich zu bewegen.
„Tu Buße, Vater! Ist’s dir denn nicht fürchterlich, wenn nach jedem deiner Morde die Toten aus den Gräbern steigen?“
„Schon wieder die alten Reden!“ unterbrach sie der Zauberer streng „Ich setz’ meinen Willen durch, ich werde dich zwingen, mir zu gehorchen. Katerina wird mich lieben lernen!“