Er blickte wild um sich, als wollte er mit seinen Augen prüfen, ob nicht jemand ihm nachsetzte. Es war der Zauberer! Doch was hatte ihn so in Schrecken gesetzt? Als er den wunderbaren Ritter betrachtete, hatte er plötzlich dasselbe Gesicht erkannt, das ihm damals bei seinen schwarzen Künsten so ungerufen erschienen war. Er konnte es selbst nicht begreifen, warum bei diesem Anblick alles in ihm zusammenschrak, und er raste, scheu um sich blickend, auf seinem Rosse dahin, bis ihn der Abend überraschte und die Sterne am Himmel erschienen. Da erst machte er kehrt und floh heimwärts, vielleicht um die unreinen Mächte zu befragen, was dies Wunder wohl zu bedeuten hatte. Schon wollte er mit dem Roß über den schmalen Bach setzen, der wie ein Ärmel sich mitten über den Weg dahinzog, als sein Roß mit einem Male gerad vor dem Sprunge anhielt, das Maul zu ihm wandte, und — o Wunder! — zu lachen begann. Zwei Reihen weißer Zähne grinsten ihm aus der Dunkelheit entgegen. Das Haar sträubte sich auf dem Haupte des Zauberers, er schrie wild auf, kreischte laut wie ein Besessener und spornte sein Pferd stracks auf Kijew zu. Es war ihm, als ob jemand von überall her nach ihm haschte: die Bäume schienen zu einem dichten Wald zusammenzulaufen und ihn einzuschließen, sie schüttelten ihre schwarzen Bärte und reckten ihre langen Zweige heraus, als ob sie lebendig wären und ihn erdrosseln wollten. Die Sterne schienen ihm vorauszueilen und vor der ganzen Welt auf den Sünder zu weisen; selbst die Landstraße, schien ihm, jagte auf seinen Spuren hinter ihm her.

Und der Zauberer floh voller Verzweiflung nach den heiligen Wallfahrtsorten der Stadt Kijew.

XV.

Ein Anachoret saß einsam in seiner Höhle vor einer Leuchte und wandte seine Blicke nicht von dem heiligen Buche ab, das vor ihm lag. Seit vielen Jahren schon hatte er sich in der Höhle eingeschlossen und schon hatte er sich den hölzernen Sarg gezimmert, in dem er zu ruhen pflegte, wie in einem Bett. Der heilige Greis schloß eben das Buch und begann zu beten .... Da stürzte plötzlich ein Mann von seltsamem und schrecklichem Äußeren herein. Zum ersten Male erstaunte der heilige Einsiedler und trat einen Schritt zurück vor diesem Menschen. Der aber bebte am ganzen Leibe wie Espenlaub, seine Augen irrten wild umher; ein schreckliches Feuer glomm furchtsam in ihnen, und sein verzerrtes Gesicht machte die Seele erschauern.

„Bete, Vater! So bete doch!“ schrie er verzweifelt. „Bete für eine verlorene Seele!“ Und er stürzte zu Boden.

Der heilige Anachoret machte das Zeichen des Kreuzes, holte das Buch hervor, schlug es auf, aber er wich entsetzt zurück und ließ das Buch wieder herabsinken. „Nein, du unerhörter Sünder! Es gibt keine Gnade für dich! Flieh von hinnen! Nie vermag ich für dich zu beten!“

„Nie!“ schrie der Sünder wie toll.

„Blick hin: die heiligen Lettern dieses Buches sind blutüberströmt .... noch niemals hat die Welt einen solchen Sünder gesehen.“

„Vater! Du spottest über mich!“

„Geh, du gottverdammter Sünder! Ich spotte nicht. Angst ergreift mich. Nichts Gutes bedeutet es für einen Menschen, in deiner Nähe zu weilen.“